Blog

Möööp? Möööp!

Nach neun Tagen Doppel-Nano kann ich ein erstes positives Feedback geben: Ja, es funktioniert. Man – oder zumindest ich – kann jeden Tag an zwei Büchern jeweils rund 2.000 Wörter schreiben, und das ohne größere Einbußen der Lebensqualität. Ich bin seit September arbeitslos und habe dementsprechend viel Zeit – war es mit einer Halbtagsstelle zu vereinbaren, einen erfolgreichen Nanowrimo zu schreiben, sind ohne Arbeit zwei Nanowrimos kein Problem. Ich habe einen Großteil der Arbeit in die Nacht verlegt, so dass von meinen Tagen relativ wenig für den Nano draufgeht, vom Plotten und Denken mal abgesehen, und ich viel Zeit mit Fernsehen und Computerspielen verbringen kann. Sogar der Haushalt sieht mich ab und an, und vorgstern habe ich sogar gekocht: Also, ein Erfolg auf der ganzen Linie.

Die Entscheidung, vier Tage vor dem Nanowrimo meinen Roman zu kicken und ein neues Thema aus dem Boden zu stampfen hat sich bewährt. Meine Kinder des Mohns machen großen Spaß, wenn ich ehrlich bin, deutlich mehr als Geisterlied. So hat sich nahezu unbemerkt ein Vorsprung von zweitausend Wörtern eingeschlichen, einfach weil ich an meinen Mohnkindern immer einen Tacken mehr schreibe als an dem anderen Buch. Trotzdem habe ich gerade einen fiesen Durchhänger, der zwar nicht meinen Schreibfluss zum Erliegen bringt, aber an meiner Motivation knabbert, und das ist folgende Erkenntnis: Geisterlied handelt von einem Mädchen, das erkennen muss, dass seine Vertraute und beste Freundin ein Geist ist – während Kinder des Mohns davon handelt, das ein Mädchen erkennen muss, dass seine Vertraute und Zwillingsschwester ein Geist ist.… Weiterlesen

Tag Drei: Namen, Namen, Namen

Ja, ich weiß, es ist eine lange Liste, und ich bin gerade erst bei der dritten Frage angekommen. Aber ich sehe das Schreiben als eine Lebensaufgabe, und da ich noch vorhabe, noch ein paar Jährchen zu leben – und zu bloggen – ist hier in aller Gemütlicheit, die dritte Frage:
3. Wie kommst du auf Namen für Figuren (und für Orte, wenn du über fiktive Orte schreibst)?

Früher habe ich mich an den Namen obskurer kleiner Orte bedient – schottischen Bahnstationen, cornischen Dörfern, und was im internationalen Vorwahlverzeichnis nett klang. Dabei konnte ich ziemlich danebengreifen, wenn ein vermeintlich obskurer Ort statt dessen ein bekanntes Urlaubsziel ist, von dem nur ich noch nie gehört hatte. Darum habe ich irgendwann von dem System Abstand genommen und tatsächlich meine eigene Phantasie bemüht. Eine Möglichkeit war, mich phonetisch zu einer neuen Schreibweise inspirieren zu lassen – so wurde aus dem walisischen Örtchen Dollwyddelan die Hohe Elbenfeste Dolua’d’llán, und der Held meiner Spinnwebstadt, Mowsal, entspricht der tatsächlichen Aussprache des cornischen Ortes Mousehole. Eine andere Inspirationsquelle waren Anagramme – so wird aus dem profanen Salat der Elb Talas, der Berg Etamot war einmal eine Tomate, und den Fluss Edanomil musste ich umbenennen, nachdem ein Betaleser die Limonade gefunden hatte.… Weiterlesen

Kinder des Mohns

Meinen zweiten Roman für dieses Jahr habe ich mir nicht ausgedacht, er ist passiert, vor ein paar Tagen, als mir aufging, dass ich das eigentlich geplante Die Kinder des Hauses Otrempa nicht würde schreiben können. Wilde Ideen fügten sich zusammen: Geisterphotographie, eine Spieluhr, Eisenbahnunglücke, ein geheimnisvolles Haus, und Percy. Vor allem Percy. Die Zwillinge kamen erst später, aber erst einmal saß ich da mit einem Scherzbold im Trenchcoat, der mir nicht viel von sich verraten wollte. Rückblickend ist es erstaunlich, dass ich nur zwei Tage später einen erstaunlich komplexen Plot hatte. Aber zum einen habe ich das schon letztes Jahr mit Geigenzauber so gemacht, und zum anderen war ich zwei Tage bei den wunderbaren Lavendelgrauen in Bielegfeld und hatte eine schöne lange Zugfahrt zum plotten (aber zum Glück ohne Unglück). Hier ist nun, mit Tusch und Trommelwirbel, der brandneue Plot für die Kinder des Mohns:

London, 1921. Der Erste Weltkrieg hat den Zwillingen Ivy und Laurel Shacklock schon Vater und Bruder genommen und sie mit ihrer Mutter mittellos zurückgelassen, da diese als Ausländerin – der Vater hat gegen den Widerspruch seiner Familie eine Französin geheiratet – keine Hinterbliebenenrente für ihn bekommen konnte. Sie sind gewöhnt, schlimme Gerüchte zu hören, dass der Vater in Wirklichkeit desertieren wollte und in Schande gestorben ist, aber den wahren Grund kennen sie nicht: Ihre Mutter ist keine Französin, sondern Deutsche, aber dieses Geheimnis nimmt sie mit ins Grab, als sie im Januar an der Grippe stirbt.… Weiterlesen

Geisterlied

Mein erster Roman für dieses Jahr ist eine Altlast. Schon im Nanowrimo 2008 wollte ich Geisterlied schreiben, aber schon nach weniger als einer Woche habe ich das Handtuch geworfen – die Belastung einer Vollzeitstelle war für mich zuviel, um nebenbei auch noch einen Roman zu schreiben, und, wie sich später herausstellen sollte, auch zuviel für alles andere. Dass ich den Nanowrimo in jedem Jahr geschmissen habe, bereue ich heute mehr als das allermeiste andere in meinem Leben, und dieses Jahr tue ich also nun Buße dafür. Nachdem ich drei Jahre lang immer wieder vorhatte, das Buch eben irgendwann anders zu schreiben und doch nie wirklich etwas draus geworden ist, mache ich es eben in diesem Nano als eines von zwei Projekten. Und auf die Geschichte bin ich immer noch stolz:

In erster Instanz entstammt die Idee einem Traum. Wer das Lied eines Geistes singt, öffnet ihm damit Tür, Tor und Körper und muss damit rechnen, dass der Geist völlig Besitz von ihm ergreift. Und die Geister singen unentwegt, sanft bohrende ohrwurmartige Melodien, die man einfach mitsingen muss. Während Geister für normale Menschen unsichtbar und – was für ein Glück! – unhörbar sind, werden sie, sobald sie von einem Körper Besitz ergriffen haben, zur Gefahr für alle, und ganze Dörfer sind so schon an die Geisterwelt gefallen.… Weiterlesen

Und alles wegen Percy!

Ich habe es schon wieder getan. Allmählich kann man den Kalender danach ausrichten: Egal, was ich auch für den Nanowrimo geplant habe, egal wie viel oder wenig Plot da sein mag, zehn Tage vor dem ersten November schmeiße ich meine Pläne über den Haufen, sauge mir ein neues Konzept aus den Fingern, plotte es innerhalb einer Woche, und gewinne damit den Nanowrimo. So ist letztes Jahr Geigenzauber entstanden, so habe ich vor zwei Jahren meinen Vampirkimi in die Tonne getreten und statt dessen mit der Gauklerinsel Erfolge gefeiert, so habe ich 2007 Lichtland geschrieben – und jetzt wieder. Vor drei Tagen habe ich noch Witze darüber gemacht, heute stehe ich mit einem neuen Buch da – immerhin, nur mit einem. Von zwei Nanowrimo-Büchern, die ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, halte ich also an einem fest und schreibe in jedem Fall Geisterlied. Aber nachdem ich erst überlegt habe, Die Kinder des Hauses Otrempa und die neue Geschichte parallel zu schreiben und dann zu sehen, was mir mehr liegt, habe ich jetzt den Otrempas den Laufpass gegeben, und darüber bin ich froh.

Die Wahrheit ist, ich werde einfach nicht warm mit der Geschichte. Die Kinder haben zwar jetzt alle Namen, ich habe ein paar wirklich interessante Ideen und eine coole Welt, aber es berührt mich einfach nicht.… Weiterlesen

Überarbeiten? Ja! Überarbeiten? Nein!

Was habe ich geflucht Anfang des Jahres, als ich versucht habe, vor der Leipziger Buchmesse Geigenzauber zu überarbeiten, korrigieren und dabei alle Kommentare aller Betaleser unter einen Hut zu bringen. Zeitweise saß ich mit vier verschiedenen Ausdrucken da, ich habe gejammert und geheult und Stunden um Stunden verbracht… Es kommt ja selten genug vor, dass ich, Linux-Geek vor dem Herrn und passionierte Open- bzw. LibreOffice-Userin mal dazu aufrufen würde, ein Microsoft-Programm zu nutzen, aber tatsächlich muss ich sagen, die Anschaffung von MS Word hat mir jetzt echt die Woche gerettet. Nicht, dass ich jetzt mein Linux deinstalliere und in Zukunft nur noch unter Windows schreiben will. Aber wo es ums Überarbeiten geht, ist MS Word den freien Konkurrenten haushoch überlegen.

Zum Beispiel kann ich alle kommentierten Versionen eines Kapitel zu einer Datei zusammenfassen, in der dann alle Kommentare, farblich nach Urheber unterschieden, am Rand stehen, und ich sehe auf einen Blick die Stellen, die von mehreren angemerkt worden sind. Oder als RubinaGela wie ein geölter Blitz die Rechtschreibung korrigiert hat, musste ich nur noch von Änderung zu Änderung springen und annehmen, ablehnen oder umformulieren. Ich hatte drei Tage allein für die Rechtschreibkorrektur vom Haus der Puppen gerechnet – und war nach drei Stunden fertig.… Weiterlesen

Verpuppt und zugenäht

Ich habe es geschafft. Mit einem großen Endspurt, bei dem ich in einer Woche achtzig Seiten geschrieben habe, und das auch noch mit keinem Plot am Anfang, einer Convention in der Mitte und Nebenhöhlenentzündung am Ende, habe ich Das Haus der Puppen zu einem Abschluss gebracht. Nach einem Probekapitel im Mai ist das Buch – 485 Normseiten – vor allem in den Monaten Juli bis September 2011 entstanden, eine stolze Leistung für ein Buch dieser Dicke. Und auch wenn ich gestern noch Angst hatte, ich würde das Ende völlig ruinieren, ist es dann doch so ausgegangen, wie ich es vor meinem inneren Auge hatte. Vielleicht ist der Schluss etwas überhastet, aber ich wollte ihn nicht unnötig in die Länge ziehen, um nicht den Schwung rauszunehmen. Das Ende ist so zart geworden, wie ich mir gewünscht habe – es bleibt ein bisschen offen, ob Florence und Lucy nun in Liebe oder Freundschaft verbunden sind, um mir die Option auf eine Fortsetzung offenzuhalten, und siehe da, als ich nach fast viertausend Wörtern in einer Nacht gestern um halb sechs in der Frühe endlich im Bett gelandet bin, hatte ich auch schon erste Ideen für einen zweiten Band.

Da meine Feen unsterblich und alterslos sind, können sie auch dreißig Jahre später noch genauso aussehen wie im ersten Buch.… Weiterlesen