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Hier bin ich wieder, und ich berichte live von der Planung meines neuen Nanowrimo-Romans »Funkenschwarz«. Diesmal will ich einmal möglichst lückenlos festhalten, wie bei mir ein Buch entsteht, von der ersten Idee bis zur letzten Seite – auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich während des Nanos selbst wegen des hohen Schreibaufkommens nicht so viel zum Bloggen kommen werde. Aber das ist dann ja auch nur der Schreibprozess. Die eigentliche Arbeit kommt vorher und behinhaltet die Planung, das Plotten, das Recherchieren.

Ich habe, das muss ich gestehen, noch nie einen Schreibratgeber komplett gelesen. Ich habe »Save the Cat writes a Novel« hier liegen, ich will das schon seit Ewigkeiten durcharbeiten, aber bis jetzt ist alles, was ich von dem Buch weiß, dass die Hauptfigur am Anfang etwas tun muss, das sie sympathisch macht – eben die Katze retten. Und ich muss ebenfalls gestehen, dass sich selbst daran nur die wenigsten meiner Hauptfiguren halten. Und trotzdem, auch wenn sie nicht die Katze retten, mag ich sie. Auch wenn nicht alle Leser:innen gleichermaßen etwas mit ihnen anfangen können. Es wird noch das Buch kommen, das ich mithilfe von »Save the Cat« plottet. Aber dieses hier ist es nicht.

Was ich jetzt also habe, ist schon ziemlich viel Plot, wo es um die Vorgeschichte geht, bevor sich Tresilean und Yestin, die beiden Hauptfiguren, in der Akademie wiedersehen.… Weiterlesen

Ein Preis, für mich?

Nachdem ich Ende Juli erfahren habe, dass ich nicht nur auf der Shortlist beim Phantastikpreis der Stadt Wetzlar stehe, sondern den Preis sogar allen Ernstes gewonnen habe, war es jetzt so weit – ich bin nach Wetzlar gefahren, und ich habe den Preis in Empfang genommen. Das klingt toll, und war das auch. Aber mein innerer Saboteur hat mir die Zeit von Juli bis jetzt schwerer gemacht, als ich es ihm lieber gegönnt hätte. Am Anfang war es eigentlich noch einfach: Da hatte ich verstanden, und das auch realisiert, dass ich wirklich diesen Preis gewonnen habe.

Aber dann, mit jedem Tag, der zwischen der Mail, die ich von der Stadt Wetzlar bekommen hatte, und der eigentlichen Preisverleihung lag, wurde das Ganze immer unwirklicher für mich. Diese fiese kleine Stimme in mir meldete sich wieder, und sie meinte nicht nur, dass mir doch überhaupt kein Preis zustünde – sie meinte auch, dass ich mir das Ganze nur eingebildet hätte. Dass ich den Phantastikpreis überhaupt nicht gewonnen hätte. Und ich bald eine entschuldigende Mail bekommen würde, die dieses Missverständnis aufklären sollte. Denn was sollte es anderes sein als ein großer peinlicher Irrtum?

Wirklich, Depressionen sind ein Arschloch, ich kann das nicht anders sagen.… Weiterlesen

Quartalsschreiber II

Als das Jahr losging, hatte ich große Pläne, aber kleine Hoffnungen. Zum nicht weniger als dreizehnten Mal bin ich mit einem Jahresziel von 500.000 Wörtern gestartet, und nur einmal, im Jahr 2011, habe ich das geschafft – in allen anderen Jahren bin ich so groß gestartet, dass ich meistens noch nicht einmal die Hälfe meines Ziels erreicht habe. Ich bin trotzig, ich versuche es trotzdem immer wieder aufs Neue – und in diesem Jahr, zum ersten Mal seit Ewigkeiten, werde ich dieses Ziel voraussichtlich nicht nur schaffen, sondern noch dazu deutlich übertreffen. Ich habe einen großzügigen Vorsprung vor dem Zeitplan, ich könnte zwei Monate lang pausieren und wäre dann immer noch im grünen Bereich – aber ich darf nicht pausieren, ich muss an jedem einzelnen Tag schreiben, sonst habe ich verloren.

Grund dafür ist die Laufliste. Die habe ich vor einigen Jahren im T12, dem Ganzjahreskampfschreiben des Tintenzirkels, eingeführt, und sie zählt fortlaufend die Tage, an denen man mindestens 1/365 seines Jahresziels geschrieben hat – in meinem Fall sind das 1.370 Wörter, die ich Tag für Tag zu schreiben habe, um auf der Liste zu bleiben. Eigentlich ist es kein Problem, auch mal einen Tag Pause einzulegen – dann endet der Lauf, und sobald man wieder schreibt, arbeitet man sich erneut hoch.… Weiterlesen

Die Angst vorm nächsten Band

Es fühlt sich immer noch sehr unwirklich an, dass ich wieder an den Elomaran arbeite – aber nachdem »Zornesbraut« zwölf Jahre auf Eis gelegen hat, bin ich jetzt an der Stelle angekommen, wo ich sagen kann: Noch zwei Kapitel, und das Buch ist fertig. Seit ich die Arbeit wiederaufgenommen habe, hat sich die Länge des Buches verdoppelt, von rund 75.000 auf knapp 150.000 Wörter, und ich steuere auf ein dramatisches Finale zu, dass ich mir vor mehr als einem Dutzend Jahren ausgedacht habe.

Das wirklich erstaunliche ist, dass das Buch tatsächlich noch funktioniert. Die Geschichte erscheint mir immer noch logisch, das Verhalten der Figuren ist plausibel – und ich habe immer noch das Gefühl, dass ich mir da eine wirklich gute Geschichte ausgedacht habe. Dabei schreibe ich nicht nur einen alten Plot runter – es ist eine Mischung aus den alten Ideen von vor 2011, rekonstruiertem Plot, den ich anhand eines alten Exposés wiedergefunden habe, und neuen Wendungen, die sich nahtlos ins Gefüge einpassen.

Und viel ist passiert in den sieben Kapiteln, die ich in der Zwischenzeit geschrieben habe. Es waren lange Kapitel, zum Teil deutlich zu lang, aber in der Zeit habe ich zwei Figuren getötet, die mich seit dem Jahr 2000 begleitet haben, ich habe einen Engelsschatz gefunden und einen anderen wieder verloren, ich habe einen leibhaftigen Engel auftreten lassen und eine alte Rache vollstreckt, und nur da, wo es darum ging, eine Freundschaft für immer zu zerstören, habe ich zurückgerudert, ein paar Seiten in die Tonne getreten und beschlossen, dass die beiden doch Freunde bleiben.… Weiterlesen

Funkenschwarz

Zwei Wochen ist es jetzt her, dass ich die allererste Idee für meinen diesjährigen Nanowrimo-Roman (das erste von geplanten zwei Projekten) hatte, und heute will ich erzählen, wie sich die Idee seither entwickelt hat. Ich dachte, da ich zur Zeit ja sehr fleißig blogge, ist das endlich mal eine Gelegenheit, ein Buchprojekt von der ersten Idee bis (hoffentlich) zur Veröffentlichung zu begleiten, und in diesen zwei Wochen hat sich viel an der Geschichte getan. So viel, dass ich bedaure, dass es noch zwei Monate hin ist, bis der Nano anfängt – ich würde am liebsten sofort mit der Geschichte loslegen.

Aber in Wirklichkeit ist es gut, dass ich noch ein bisschen Zeit habe. Zum einen brauche ich die, um »Die vierte Wand«, mein nächstes Kinderbuch, zu schreiben und außerdem »Zornesbraut« endlich fertigzustellen – zum anderen ist doch die Planung das Schönste an einem Nanoroman, man hat allen Spaß mit der Geschichte, aber noch nicht den Stress, das ganze auch schreiben zu müssen. Ich plane meine Romane gerne ausführlich – was nicht gleichbedeutend mit Plotten ist: Tatsächlich gehe ich meistens mit relativ wenig fertig vorbereitetem Plot an den Start. Aber ich will mir die Zeit nehmen, meine Figuren ausgiebig kennenlernen zu können, damit sich dann das eigentliche Schreiben wie von selbst erledigt.… Weiterlesen

Der Romanfriedhof: »Museion«

Während mein fruchtbarstes Schreibjahr aller Zeiten auf seinen hoffentlich großen Höhepunkt, den Nanowrimo, zusteuer und ich schon fleißig am Plotten bin, kann ich nicht umhin, zehn Jahre zurückzudenken ins Jahr 2013, als mein Nano so krachend scheiterte, dass es nicht nur einen, sondern gleich zwei Buchprojekte auf den Friedhof verbannen sollte und das Jahr, das einen meiner größten Triumphe enthalten hatte, mit Tränen und Selbstzweifeln endete – und das mit einem Buch, das von den Tränen und Selbstzweifeln eines Autors handeln sollte und von der Muse, die sich in ihn verliebt. Meine Muse verließ mich in jenem Jahr. Sie sollte wieder zurückkommen, neues Jahr, neue Chance. Doch 2013 endete mit einer Niederlage, und mit der Erkenntnis, dass ich brillante Satiren vielleicht doch anderen überlassen sollte.

»Museion« war, neben den »Kindern des Hauses Otrempa«, einer der beiden Romane, die ich in dem Jahr für den Nano auserkoren hatte – aber die Idee war schon zwei Jahre älter. Im frühling 2011 hatte die Odeon Film einen Wettbewerb für ein Fernsehserienkonzept ausgeschrieben und ich mich mit zwei Einsendungen beteiligt – das eine war, unter dem Namen »Zäng!«, ein Uralt-Konzept von mir, die Vampire auf dem kölner Melaten-Friedhof, die mit Biss und Verstand und als echte Experten für Blutspuren Mordfälle aufklären – das andere eine Satire auf den Literaturbetrieb, das den Angehörigen des Musensofortdienstes »Musenruf« folgte.… Weiterlesen

Pflegeleicht trans

Zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, seit ich mich in diesem Blog als trans/genderfluid offenbart habe, und seitdem sind einige Dinge passiert – genug Dinge, um jetzt das Thema noch einmal aufzugreifen und zu erzählen, wie es danach weitergegangen ist.

Vieles hat sich nicht geändert. Manchmal bekomme ich eine Mail, die mich mit »sehr geehrte:r Maja Ilisch« anredet, und dann freue ich mich ein bisschen, weil sich da jemand Gedanken gemacht hat und sich auf mich vorbereitet – aber ich fühle mich dann auch irgendwie schlecht, weil ich jemandem Aufwand und Umstände bereitet habe. Und Aufwand und Umstände sind auch das Hauptthema dieses Artikels.

Mir war es wichtig, meine Geschlechtsidentität bekannt zu machen, um aus der Frauenschublade rauszukommen, das war mir ein Anliegen – aber ich betrachte diese Identität als eine so persönliche Sache, dass ich auch nicht wollte, dass sie eine Auswirkung auf andere haben sollte. Da wollte ich ein ganz pflegeleichter trans Mensch sein. Habe also allen Leuten versichert, dass sich für sie nichts ändert, dass ich ja jetzt nicht ein anderer Mensch werde, sondern nur sein will, wer ich schon immer war. Ich habe meinen weiblichen Namen behalten, ich höre weiterhin auf weibliche Pronomen und Artikel, ich will es allen ganz, ganz einfach machen, in der Hoffnung, dass es ihnen dann ohne große Umstellung leichter fällt, mich zu akzeptieren …

Und so habe ich auf sehr viele Menschen Rücksicht genommen, nur nicht auf den einen, auf den es ankommt: Mich selbst, nämlich.… Weiterlesen