Ein Jahr der Superlative

Normalerweise habe ich in diesem Blog Jahresrückblicke aus einem einfachen Grund gepostet: Weil ich entgegen vollmundiger Versprechen aus dem Januar, dieses Jahr endlich wieder mehr zu bloggen, spätestens ab März keine Beiträge mehr verfasst habe und Nachholbedarf hatte. Aber der Rückblick für 2023 ist anders. Er ist für die Leute, die nicht das ganze Jahr über diesem Blog gefolgt sind, damit die sich nicht durch die rund fünfzig Beiträge, die ich dieses Jahr geschrieben habe, arbeiten müssen, um zu wissen, was bei mir Sache war. Und auch wenn das Jahr noch nicht ganz rum ist, kann ich jetzt schon sagen: 2023 war ein Jahr der Superlative.

In den vergangenen Jahren habe ich viele Rückschläge einstecken müssen. Der Abschlussband meiner »Neraval-Sage« ist sang- und klanglos versandet, was schade ist um die Arbeit, die ich in die Trilogie gesteckt habe. Ich bin weit hinter meinen schreiberischen Plänen zurückgeblieben, und die Gesundheit hat auch nicht mitgespielt. Als ich mir daher für 2023 das Ziel gesetzt habe, 500.000 Wörter zu schreiben, war das eher utopisch. Und vor meiner anstehenden Veröffentlichung, meinem ersten Kinderbuch, hatte ich in erster Linie Angst. Ich wusste, noch einen Flop kann ich mir nicht leisten, sonst bin ich weg vom Fenster.… Weiterlesen

Designlassen

Was das Webdesign angeht, habe ich jahrelanges Gatekeeping betrieben: Nur dann zählt eine persönliche Webseite als persönliche Webseite, wenn sie auch per Hand geschrieben wurde – nicht in einem Webdesign-Baukasten zusammengesetzt, sondern als Quellcode Zeile für Zeile in einem Texteditor verfasst. Wo ich bei allem anderen auf Teamwork setze und darauf, sich auf das zu konzentrieren, was man kann, und Profis machen zu lassen, was die können, zum Beispiel Lektorate und Marketing, mussten Webseiten für mich komplett aus einer Hand kommen, durch und durch Handarbeit, nix von der Stange.

Und ich muss sagen, ich habe mich da auch wirklich reingefuchst. Meine ersten eigenen Webseiten, noch Ende der Neunziger entstanden, sahen so grausig aus, wie man Webseiten aus der Zeit zurecht in Erinnerung hat. Geschrieben nicht in einem Quellcodeeditor, noch nicht mal in einem Webdesignprogramm – ich hatte entdeckt, dass Microsoft Word, Version »Office 97«, Seiten als Webseiten exportieren konnte. Und wo sie schon von außen schlimm aussahen, war das nichts im Vergleich zu ihrem Quellcode, der jedes Coderhaar zu Berge stehen lässt.

Dass meine Webseiten nicht gut aussahen, das verstand ich. Dass sie außerdem keinen Inhalt hatten, war eine andere Sache – ich dachte, dass Webseiten auf Englisch zu sein hätten, weil das Internet ein internationaler Ort ist, und so große Mühe ich mir auch gab, meine Texte zu übersetzen, es dauerte einfach so extrem lange im Vergleich zum Schreiben auf Deutsch, dass ich bis auf wenige kurze Beispiele nicht viel zu bieten hatten.… Weiterlesen

Nachruf auf ein doofes Jahr

Hier ist er dann, der lang angekündigte Rückblick auf 2020. Bestimmt würde man sich auch noch an dieses Jahr erinnern, wenn ich den Rückblick irgendwann im Herbst 2027 veröffentlichen würde – nur, will man das? Ist es nicht schlimm genug, dass ich jetzt, wo 2021 so schön angefangen hat, noch mal an dieses Jahr, von dem man nicht spricht, erinnern muss? Aber ich will trotzdem erzählen, wie es mir gegangen ist. 2020 war ein Jahr, in für mich dem gute und schlechte Dinge passiert sind – und rückblickend denke ich, die guten Dinge haben letztlich überwogen, aber es hat sich über weite Strecken nicht so angefühlt.

Dabei hat es toll angefangen, das Jahr. Ende 2019 hatte ich endlich meine Schlafprobleme in den Griff bekommen, über Wochen ein Leben geführt wie ein normaler Mensch, der morgens aufsteht und sich abends ins Bett legt und dann auch schläft. Ich dachte, es wäre auf einen Wechsel meiner Medikamentenmarke zurückzuführen, und ich hoffte, es wäre von Dauer. Ich tat alles, um das nicht wieder einreißen zu lassen, und verbrachte lieber Silvester allein auf meinem Balkon, um kurz nach Mitternacht ins Bett gehen zu können, statt auf der kleinen Party mit Freunden, auf der mein Mann war.… Weiterlesen

Alles eine Frage der erzähl:perspektive

Autoren, die sich eine Agentur suchen wollen und im Vorfeld nach Erfahrungsberichten googeln, finden sehr häufig: nichts. Zu den schwarzen Schafen der Branche findet man einiges, insbesondere nachdrückliche Warnungen, aber Autoren, die mit ihren Agenten zufrieden sind, genießen schweigend. Nein, das stimmt auch wieder nicht: Wenn man Google Books nach Danke + Agenturname durchsucht, findet viele liebevolle Worte, mit denen erfolgreich vermittelte Autoren ihre Agenten in der Danksagung bedenken, und auch ich habe mich da zu solchen Begeisterungsstürmen hinreißen lassen, dass mein Lektor, sicherlich mit hochgezogener Augenbraue, zurückschrieb, er habe noch nie eine so lange Danksagung gelesen (okay, das war nicht alles nur für meine Agenten, aber trotzdem). Bloß, kaum jemand kommt auf die Idee, Danksagungen zu durchsuchen, und in regulären Googleergebnissen tauchen die nicht auf. Deswegen kommt hier, anlässlich des zehnten Jahrestags unseres Erstkontakts, meine Erfahrungen mit der Agentur erzähl:perspektive, Klaus und Michaela Gröner, München.

Anfang Dezember 2008 arbeitete ich als Bibliothekarin in der Aachener Unibibliothek, und als ich dort in der Teepause am Nachmittag (heimlich) meine privaten Mail abrief, fand ich da eine mit dem Betreff »Agenturanfrage«. Ich brauchte einen Moment, um sie als das, was sie war, zu verstehen: Ja, da fragte eine Agentur per Mail mich, die Autorin, an, ob sie mich vertreten dürfte.… Weiterlesen

Zwei Päckchen nach Stuttgart

Genau neunzehn Jahre ist es her. Am 27. November 1999 stand ich in der alten Post im Kölner Hauptbahnhof, dort wo heute die Buchhandlung Ludwig ihren Laden hat, früh am Morgen, noch ehe meine Arbeit als Buchhandelsauszubildende anfing, und schickte hämmernden Herzens ein Paket nach Stuttgart. Der Inhalt: ein Packen Papier, eine halbe Patrone Druckertinte und all meine Hoffnungen. Die Fantasy-Lektorin bei Klett-Cotta hatte nach Lektüre von Exposée und Leseprobe meines Debütromans »Eine Flöte aus Eis« das Gesamtmanuskript angefordert, und das weniger als eine Woche nach Einsendung. Dass das ganz unerhört großartig war, das wusste ich.

Wie selten es wirklich vorkommt, dass Lektoren nach so einer unverlangten Einsendung überhaupt das Manuskript anfordern, konnte ich noch nicht erfassen, das kam erst nach und nach, viele kommentarlose Ablehnungen später, aber damals, im November 1999, hatte ich gerade meine allererste Verlagsbewerbung überhaupt abgeschickt, an den einen Verlag, bei dem ich unbedingt veröffentlicht werden wollte. Im Nachhinein kann schwer nachvollziehen, was die Lektorin in meiner Leseprobe gesehen hat. Oder in dem Exposée. Wirklich, das Exposee war graußlich! Und das Buch, so sehr ich es auch liebte, so gut auch wieder nicht. Ehrlich, ich würde in der gleichen Situation wahrscheinlich eine kommentarlose Absage rausschicken, aber die gute Frau forderte das Manuskript an, und auch wenn sie es ein halbes Jahr später dann doch ablehnte, konnte ich noch Jahre später davon zehren.… Weiterlesen

Ein wildes Jahr, ein wirres Jahr

2013 war das erste Jahr seit Gründung dieses Blogs, in dem ich überhaupt keine neuen Artikel verfasst habe. Dann muss jetzt wenigstens noch Zeit sein für einen kleinen Rückblick – oder Nachruf, wie immer man es sehen mag – denn tatsächlich war 2013 für meine schriftstellerische Karriere das bisher bedeutungsvollste Jahr überhaupt. Aber es hatte neben erfreulichen Höhen auch große Tiefen, die ich hier nicht aussparen möchte. Das Positive ist schnell erzählt: Ich bin eine veröffentlichte Autorin. Den Vertrag für das Puppenzimmer, das im Juli bei dotbooks erschienen ist, habe ich bereits letzten November unterzeichnet, und angebahnt hatte es sich schon früher, aber ich musste natürlich stillschweigen, bis alles in trockenen Tüchern war – ich hätte zu gerne über die große Nachrricht gebloggt, als die Zusage aus München kam, aber ich durfte nicht. Und dann musste ich mich fragen: Wie viel darf ich jetzt überhaupt noch bloggen? Ich bin eine veröffentlichte, richtige Autorin. Ich stehe im Rampenlicht. Ich bin eine Person des Öffentlichen Lebens. Alles, was ich von mir gebe, kann von der Bildzeitung gegen mich verwendet werden – und von Verlegern und Lektoren. Schreibe ich jetzt zu viel über den Inhalt meiner in Arbeit befindlichen Werke, ist später die Spannung raus.… Weiterlesen