Filk Found Family

Ich habe mehr als eine Familie. Da ist auf der einen Seite meine richtige Familie, und was die angeht, bin ich in der glücklichen Situation, dass wir ein wirklich gutes Verhältnis haben. Meine Eltern, meine drei Geschwister – ich bin froh, sie zu haben. Wir sehen uns nicht so häufig, und telefonieren tue ich in erster Linie mit meinen Eltern, was daran liegt, dass ich ein echtes Problem mit dem telefonieren habe und bei den allermeisten Leuten nicht gut anrufen kann, weil ich immer überzeugt bin, ich komme ungelegen und störe bei etwas Wichtigem. Aber wenn wir uns treffen, ist es immer schön, wir können über vieles reden, und ich weiß, ich muss keine Angst vor ihnen haben. Selbst wenn ich sonst manchmal die ganze Welt fürchte.

Meine Mutter liest alle meine Bücher, und es ist an der Zeit, dass ich ihr mal wieder was Neues schicke, denn sie hat jetzt angefangen, alle älteren Sachen von mir noch mal zu lesen – und sie liest auch dieses Blog, was mich sehr freut, denn ich weiß nicht, wie viele Leute sich hier sonst so durch meine doch oft sehr persönlichen, gern aber auch geschwätzigen Texte arbeiten. Das ist also meine richtige Familie, aber um die soll es gerade eigentlich gar nicht gehen – ich wollte das nur erwähnen, damit klar ist, dass meine andere Familie kein Ersatz ist, kein Trost, weil ich da weder Ersatz noch Trost brauche, aber ein Freundeskreis, der so eng ist, dass er mir über mein halbes Leben zu einer zweiten Familie geworden ist.… Weiterlesen

Ein anderer sein

Ich schreibe hier viel über das Schreiben, und wenig über das, was ich sonst so mache – und das hat natürlich seine Gründe. Das hier ist mein hochoffizielles Profiautorenblog, und da gehören meine Schreibthemen in den Mittelpunkt – einfach aus dem Grund, dass ich erwarte, dass es das ist, worüber die Leute lesen wollen. Aber ich schreibe nicht den ganzen Tag lang – selbst an Tagen, an denen ich mein Pensum schaffe, habe ich das normalerweise innerhalb von zwei, drei Stunden im Kasten, und den Rest der Zeit verbringe ich mit anderen Dingen.

Ich lese, wenn mir danach ist – vor allem, wenn ich in der Bahn unterwegs bin – doch es ist nicht das Hobby, das den Großteil meiner Zeit auffressen würde. Früher habe ich deutlich mehr gelesen. Es hat einfach neben dem Schreiben seinen Stellenwert verloren, es nimmt mich nicht mehr im gleichen Umfang gefangen, wie es das Schreiben tut, und deswegen ist es in den letzten Jahren etwas auf der Strecke geblieben. Es ist nicht, dass ich gar nichts mehr lese, und manchmal kann ich das immer noch stundenlang – aber mir muss danach sein. Und oft ist es das nicht.

Ich verbringe auch gerne meine Zeit mit Computerspielen.… Weiterlesen

Assessment Center

Hier bin ich wieder, und ich berichte live von der Planung meines neuen Nanowrimo-Romans »Funkenschwarz«. Diesmal will ich einmal möglichst lückenlos festhalten, wie bei mir ein Buch entsteht, von der ersten Idee bis zur letzten Seite – auch wenn ich jetzt schon weiß, dass ich während des Nanos selbst wegen des hohen Schreibaufkommens nicht so viel zum Bloggen kommen werde. Aber das ist dann ja auch nur der Schreibprozess. Die eigentliche Arbeit kommt vorher und behinhaltet die Planung, das Plotten, das Recherchieren.

Ich habe, das muss ich gestehen, noch nie einen Schreibratgeber komplett gelesen. Ich habe »Save the Cat writes a Novel« hier liegen, ich will das schon seit Ewigkeiten durcharbeiten, aber bis jetzt ist alles, was ich von dem Buch weiß, dass die Hauptfigur am Anfang etwas tun muss, das sie sympathisch macht – eben die Katze retten. Und ich muss ebenfalls gestehen, dass sich selbst daran nur die wenigsten meiner Hauptfiguren halten. Und trotzdem, auch wenn sie nicht die Katze retten, mag ich sie. Auch wenn nicht alle Leser:innen gleichermaßen etwas mit ihnen anfangen können. Es wird noch das Buch kommen, das ich mithilfe von »Save the Cat« plottet. Aber dieses hier ist es nicht.

Was ich jetzt also habe, ist schon ziemlich viel Plot, wo es um die Vorgeschichte geht, bevor sich Tresilean und Yestin, die beiden Hauptfiguren, in der Akademie wiedersehen.… Weiterlesen

Ein Preis, für mich?

Nachdem ich Ende Juli erfahren habe, dass ich nicht nur auf der Shortlist beim Phantastikpreis der Stadt Wetzlar stehe, sondern den Preis sogar allen Ernstes gewonnen habe, war es jetzt so weit – ich bin nach Wetzlar gefahren, und ich habe den Preis in Empfang genommen. Das klingt toll, und war das auch. Aber mein innerer Saboteur hat mir die Zeit von Juli bis jetzt schwerer gemacht, als ich es ihm lieber gegönnt hätte. Am Anfang war es eigentlich noch einfach: Da hatte ich verstanden, und das auch realisiert, dass ich wirklich diesen Preis gewonnen habe.

Aber dann, mit jedem Tag, der zwischen der Mail, die ich von der Stadt Wetzlar bekommen hatte, und der eigentlichen Preisverleihung lag, wurde das Ganze immer unwirklicher für mich. Diese fiese kleine Stimme in mir meldete sich wieder, und sie meinte nicht nur, dass mir doch überhaupt kein Preis zustünde – sie meinte auch, dass ich mir das Ganze nur eingebildet hätte. Dass ich den Phantastikpreis überhaupt nicht gewonnen hätte. Und ich bald eine entschuldigende Mail bekommen würde, die dieses Missverständnis aufklären sollte. Denn was sollte es anderes sein als ein großer peinlicher Irrtum?

Wirklich, Depressionen sind ein Arschloch, ich kann das nicht anders sagen.… Weiterlesen

Quartalsschreiber II

Als das Jahr losging, hatte ich große Pläne, aber kleine Hoffnungen. Zum nicht weniger als dreizehnten Mal bin ich mit einem Jahresziel von 500.000 Wörtern gestartet, und nur einmal, im Jahr 2011, habe ich das geschafft – in allen anderen Jahren bin ich so groß gestartet, dass ich meistens noch nicht einmal die Hälfe meines Ziels erreicht habe. Ich bin trotzig, ich versuche es trotzdem immer wieder aufs Neue – und in diesem Jahr, zum ersten Mal seit Ewigkeiten, werde ich dieses Ziel voraussichtlich nicht nur schaffen, sondern noch dazu deutlich übertreffen. Ich habe einen großzügigen Vorsprung vor dem Zeitplan, ich könnte zwei Monate lang pausieren und wäre dann immer noch im grünen Bereich – aber ich darf nicht pausieren, ich muss an jedem einzelnen Tag schreiben, sonst habe ich verloren.

Grund dafür ist die Laufliste. Die habe ich vor einigen Jahren im T12, dem Ganzjahreskampfschreiben des Tintenzirkels, eingeführt, und sie zählt fortlaufend die Tage, an denen man mindestens 1/365 seines Jahresziels geschrieben hat – in meinem Fall sind das 1.370 Wörter, die ich Tag für Tag zu schreiben habe, um auf der Liste zu bleiben. Eigentlich ist es kein Problem, auch mal einen Tag Pause einzulegen – dann endet der Lauf, und sobald man wieder schreibt, arbeitet man sich erneut hoch.… Weiterlesen

Die Angst vorm nächsten Band

Es fühlt sich immer noch sehr unwirklich an, dass ich wieder an den Elomaran arbeite – aber nachdem »Zornesbraut« zwölf Jahre auf Eis gelegen hat, bin ich jetzt an der Stelle angekommen, wo ich sagen kann: Noch zwei Kapitel, und das Buch ist fertig. Seit ich die Arbeit wiederaufgenommen habe, hat sich die Länge des Buches verdoppelt, von rund 75.000 auf knapp 150.000 Wörter, und ich steuere auf ein dramatisches Finale zu, dass ich mir vor mehr als einem Dutzend Jahren ausgedacht habe.

Das wirklich erstaunliche ist, dass das Buch tatsächlich noch funktioniert. Die Geschichte erscheint mir immer noch logisch, das Verhalten der Figuren ist plausibel – und ich habe immer noch das Gefühl, dass ich mir da eine wirklich gute Geschichte ausgedacht habe. Dabei schreibe ich nicht nur einen alten Plot runter – es ist eine Mischung aus den alten Ideen von vor 2011, rekonstruiertem Plot, den ich anhand eines alten Exposés wiedergefunden habe, und neuen Wendungen, die sich nahtlos ins Gefüge einpassen.

Und viel ist passiert in den sieben Kapiteln, die ich in der Zwischenzeit geschrieben habe. Es waren lange Kapitel, zum Teil deutlich zu lang, aber in der Zeit habe ich zwei Figuren getötet, die mich seit dem Jahr 2000 begleitet haben, ich habe einen Engelsschatz gefunden und einen anderen wieder verloren, ich habe einen leibhaftigen Engel auftreten lassen und eine alte Rache vollstreckt, und nur da, wo es darum ging, eine Freundschaft für immer zu zerstören, habe ich zurückgerudert, ein paar Seiten in die Tonne getreten und beschlossen, dass die beiden doch Freunde bleiben.… Weiterlesen

Funkenschwarz

Zwei Wochen ist es jetzt her, dass ich die allererste Idee für meinen diesjährigen Nanowrimo-Roman (das erste von geplanten zwei Projekten) hatte, und heute will ich erzählen, wie sich die Idee seither entwickelt hat. Ich dachte, da ich zur Zeit ja sehr fleißig blogge, ist das endlich mal eine Gelegenheit, ein Buchprojekt von der ersten Idee bis (hoffentlich) zur Veröffentlichung zu begleiten, und in diesen zwei Wochen hat sich viel an der Geschichte getan. So viel, dass ich bedaure, dass es noch zwei Monate hin ist, bis der Nano anfängt – ich würde am liebsten sofort mit der Geschichte loslegen.

Aber in Wirklichkeit ist es gut, dass ich noch ein bisschen Zeit habe. Zum einen brauche ich die, um »Die vierte Wand«, mein nächstes Kinderbuch, zu schreiben und außerdem »Zornesbraut« endlich fertigzustellen – zum anderen ist doch die Planung das Schönste an einem Nanoroman, man hat allen Spaß mit der Geschichte, aber noch nicht den Stress, das ganze auch schreiben zu müssen. Ich plane meine Romane gerne ausführlich – was nicht gleichbedeutend mit Plotten ist: Tatsächlich gehe ich meistens mit relativ wenig fertig vorbereitetem Plot an den Start. Aber ich will mir die Zeit nehmen, meine Figuren ausgiebig kennenlernen zu können, damit sich dann das eigentliche Schreiben wie von selbst erledigt.… Weiterlesen