The Early Days of a Better Nation

Ich hatte im Leben immer zwei Traumberufe – Schriftstellerin wollte ich sein, und Bibliothekarin. Nein, das stimmt so natürlich nicht ganz. Ziemlich lange, so von meinem neunten bis zum zwölften Lebensjahr, wollte ich ein Seeräuber sein. Aber dann Schriftstellerin. Es erschien mir genauso unrealistisch wie Seeräuber, wenn ich ehrlich war. Schließlich hatte ich nie eine Geschichte fertiggeschrieben, zum anderen ging ich davon aus, dass ich sowieso nie einen Verlag für meine Sachen finden würde. Ich brauchte also auch einen realistischeren Traumberuf. Da kamen und gingen die Ideen. Regisseurin, spuckte der Computer im BIZ aus. Das klang toll – aber realistisch war das auch nicht.

Chemie, das liebte ich auch. Mein Lieblingsfach – eines meiner Lieblingsfächer, hieß das, aber von meinen anderen Lieblingsfächern unterschied es sich darin, dass Chemie eine Männerdomäne war, in die ich eindringen konnte. Die Idee gefiel mir. Chemie studieren, dann auf Toxikologie spezialisieren und am Ende in der Gerichtsmedizin arbeiten. Ich liebte Krimis, interessierte mich für Giftmorde, das klang alles super. Bis ich als Oberstufenschülerin in der Berufsberatung des Arbeitsamts saß und fragte, wo ich am besten studieren sollte, um diesen Berufsweg einzuschlagen – und der Berufsberater meinte, in Deutschland gäbe es weder Toxikologen noch Gerichtsmediziner. Es stimmte nicht, aber ich glaubte ihm.… Weiterlesen

Rückblick auf ein stilles Jahr

Das Jahr 2025 war kein schlechtes Jahr für mich, das möchte ich direkt am Anfang feststellen. Aber es war ein seltsames Jahr für mich. Normalerweise lebe ich für meine Wortzahlen – aber 2025 habe ich sie, außer im Januar, überhaupt nicht gezählt. Geschrieben habe ich trotzdem, wenn auch deutlich weniger, als ich es geplant hatte. Und zum bloggen hatte ich auch keine Lust. Es ist nicht so, dass ich nichts zu sagen gehabt hätte – aber auch wenn ich immer wieder gedacht habe »Das könnte einen tollen Blogartikel abgeben!«, habe ich mich nicht aufraffen können, dann wirklich etwas zu schreiben. So bleibt es jetzt an meinem Jahresrückblick, verfasst am ersten Tag des neuen Jahres, das Jahr 2025 im Schnellverfahren zusammenzufassen. Nicht unbedingt chronologisch, ich weiß nicht mehr unbedingt, wann was war, aber die wichtigsten Sachen bekomme ich schon noch zusammen.

Was habe ich geschrieben? Vor allem »Die verborgenen Bilder«, ein Buch, das ich für meines meiner wichtigsten halte und vor dessen Veröffentlichung im kommenden Februar ich doch ein bisschen Angst habe. Ein Kinderbuch ab zehn Jahren, das den aufkommenden Nationalsozialismus der späten 1920er in Relation setzt zum aktuellen politischen Klima – das ist ein Buch, das mir beim Schreiben schwergefallen ist, ich habe wieder Hilfe meiner Agentin in Anspruch nehmen müssen, um erst beim Verlag eine Verlängerung der Deadline um vier Wochen zu erreichen und dann mit täglichem An-die-Hand-Nehmen das Buch zu seinem Ende zu bringen.… Weiterlesen