Ich hatte im Leben immer zwei Traumberufe – Schriftstellerin wollte ich sein, und Bibliothekarin. Nein, das stimmt so natürlich nicht ganz. Ziemlich lange, so von meinem neunten bis zum zwölften Lebensjahr, wollte ich ein Seeräuber sein. Aber dann Schriftstellerin. Es erschien mir genauso unrealistisch wie Seeräuber, wenn ich ehrlich war. Schließlich hatte ich nie eine Geschichte fertiggeschrieben, zum anderen ging ich davon aus, dass ich sowieso nie einen Verlag für meine Sachen finden würde. Ich brauchte also auch einen realistischeren Traumberuf. Da kamen und gingen die Ideen. Regisseurin, spuckte der Computer im BIZ aus. Das klang toll – aber realistisch war das auch nicht.
Chemie, das liebte ich auch. Mein Lieblingsfach – eines meiner Lieblingsfächer, hieß das, aber von meinen anderen Lieblingsfächern unterschied es sich darin, dass Chemie eine Männerdomäne war, in die ich eindringen konnte. Die Idee gefiel mir. Chemie studieren, dann auf Toxikologie spezialisieren und am Ende in der Gerichtsmedizin arbeiten. Ich liebte Krimis, interessierte mich für Giftmorde, das klang alles super. Bis ich als Oberstufenschülerin in der Berufsberatung des Arbeitsamts saß und fragte, wo ich am besten studieren sollte, um diesen Berufsweg einzuschlagen – und der Berufsberater meinte, in Deutschland gäbe es weder Toxikologen noch Gerichtsmediziner. Es stimmte nicht, aber ich glaubte ihm.… Weiterlesen
