Es gibt ein richtiges Ende im Fälschen

Die Kurzfassung ist schnell erzählt: Das Buch ist fertig. »Das gefälschte Land«, dritter und letzter Band der Neraval-Sage, ist abgeschlossen und geht überarbeitet an die Lektorin. Nachdem ich monatelang versichert habe, dass »wirklich nur noch ein paar Szenen fehlen«, nur damit sich immer mehr Löcher auftaten und immer neue fehlende Szenen dazukamen, ist damit jetzt Schluss: Das Buch ist fertig, wirklich. Fehlt nur noch das Lektorat, und das soll bis Ende des Monats über die Bühne sein – weil ich mit dem Schreiben nicht in den Quark kam, hatte ich die ersten Kapitel schon im Frühling überarbeitet, danach parallel zum Schreiben eine weiteres Kapitel nach dem nächsten bearbeitet, und jetzt kann ich nicht lange aufatmen, bevor die Anmerkungen von der Lektorin zurückkommen.

Die lange Fassung umfasst elf Jahre, die ich an der Trilogie gearbeitet habe (wobei die Idee selbst noch älter war und aus dem Jahr 2005 stammte), viel Schweiß, Blut und Tränen, einen ersten Band, der sich buchstäblich von selbst geschrieben hat, nur um mir dann im Lektorat um die Ohren zu fliegen, einen zweiten Band, der sechs Jahre als Fragment herumgelegen hat, um ihn dann komplett neu aufzusetzen, und einen dritten Band, den ich so oft neu angefangen und umgeschrieben habe, dass ich allein aus den rausgeworfenen Szenen mindestens ein weiteres Buch machen könnte.… Weiterlesen

Einmal Liebe und zurück

Als Autorin verfüge ich über eine besondere Gabe: Ich bin in der Lage, meinen Roman auch in der allerersten Rohfassung zu lieben. Ich kann mein unfertiges Buch lesen, als wäre es der heißeste Scheiß, und mein Innerer Kritiker lobt das Potenzial der Geschichte und ist ganz begeistert, wie viel man da noch rausholen kann. Wenn es drauf ankommt, bin ich mein größter Fan. Das ist, habe ich gelernt, nichts Selbstverständliches – viele Autoren tun sich schwer, ihre Bücher zu lesen, ohne nur über die Schwächen zu stolpern. Aber ich bin sehr gut darin, meine Bücher von vorn bis hinten zu lieben.

Natürlich, auch ich habe immer wieder Tage, wo ich mein Buch an die Wand klatschen möchte, wo ich mit einer Entwicklung absolut unzufrieden bin oder eine Szene hasse: Dann gehe ich ein bisschen auf Abstand, suche die Stelle, wo ich den Schnitt setzen muss, schmeiße raus, was mir nicht gefällt, und schreibe die entsprechende Szene neu. Das ist normal – auch wenn ich mein Buch unterm Strich liebe, muss ich doch immer imstande sein, die Schwächen darin zu finden. Schließlich will ich, dass es das Beste Buch der Welt wird. Aber mein Innerer Kritiker ist üblicherweise in der Lage, den Finger auf das zu legen, was verbessert werden muss und kann.… Weiterlesen

Gut versteckte Puzzleteile

Als ich neulich ein Zeitungsinterview gegeben habe, war eine der Fragen »Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben?«, und ich ganz schön ins Zählen gekommen, wie viele fertige Romane ich eigentlich im Laufe der Jahre zusammengebracht habe. Dafür, dass es wirklich sehr lange gedauert hat, bis ich zum Ende meines Studiums mit meiner »Flöte aus Eis« einen Roman fertiggestellt habe, sind in den Jahren seitdem doch so viele Romane zusammengekommen, dass ich mich völlig verzählt habe und hinterher festgestellt habe, dass es in Wirklichkeit noch drei Bücher mehr waren. Die komplette Liste habe ich hier als Werkeverzeichnis hochgeladen.

Romane fertigschreiben, das ist nicht mehr die riesengroße Herausforderung für mich. Nicht, dass es einfach wäre – dafür habe ich zu große Angst, den Schluss zu versemmeln, und dafür schreibe ich immer noch zu viele Romane vor die Wand, dass sie niemals fertig werden. Aber ich habe inzwischen doch einiges an Erfahrungswerten, wo es darum geht, Romane zu einem Abschluss zu bringen. Eine völlig andere Sache hingegen ist es, einen Mehrteiler abzuschließen. Das tue ich gerade, nach gut und gern elf Jahren geht meine »Neraval-Sage«, aka. Fälscher-Trilogie, zu Ende. Aber so viele Mehrteiler ich über die Jahre auch angefangen habe, dies ist die erste Trilogie, die ich abschließe.… Weiterlesen

Wat kütt? Dat kütt! VI

Diese Übersicht wollte ich eigentlich jedes Jahr erstellen. Weil ich sie aber öfter vergessen habe als dran gedacht, bin ich jetzt, fünfzehn Jahre nach Beginn meiner Bloggerkarriere, erst bei Zählernummer 6 angekommen. Aber da ich so lange nicht gebloggt habe und es praktisch zu keinem meiner aktuellen Projekte eigene Blogbeiträge gibt, kommt hier zumindest schon mal die Übersicht.

Meine großen Pläne für 2021 sehen nämlich vor, ganz viele angefangene Werke endlich fertigzuschreiben – und »angefangen« heißt in diesem Zusammenhang mindestens einen gewonnenenen Nanowrimo, in vielen Fällen sogar »eigentlich fehlen nur noch ein, zwei Szenen« – ich bin berüchtigt dafür, so gut wie fertige Bücher jahrelang liegenzulassen, weil ich Angst habe, den Schluss zu ruinieren oder schlichtweg noch keine Idee dafür habe. Ehe ich also freudestrahlend hier im Blog verkünde, dass dieses oder jenes Projekt fertig ist, hier zumindest eine schnelle Vorstellung der weitgehend unbekannten Kandidaten:


Works in Progress

Diese Liste ist voller alter Bekannter – darunter sechs Bücher, die 2021 wirklich langsam mal fertig werden sollen. Schließlich will ich Schluss machen und mich endlich wieder ohne Schuldgefühle in neue Geschichten verlieben.

Das gefälschte Land
Genre: High Fantasy
Die Neraval-Sage, Drittes Buch. Zwei gewonnene Nanos haben dieses Buch vorangetrieben, eine schwere Depression hat es ausgebremst.… Weiterlesen

Nachruf auf ein doofes Jahr

Hier ist er dann, der lang angekündigte Rückblick auf 2020. Bestimmt würde man sich auch noch an dieses Jahr erinnern, wenn ich den Rückblick irgendwann im Herbst 2027 veröffentlichen würde – nur, will man das? Ist es nicht schlimm genug, dass ich jetzt, wo 2021 so schön angefangen hat, noch mal an dieses Jahr, von dem man nicht spricht, erinnern muss? Aber ich will trotzdem erzählen, wie es mir gegangen ist. 2020 war ein Jahr, in für mich dem gute und schlechte Dinge passiert sind – und rückblickend denke ich, die guten Dinge haben letztlich überwogen, aber es hat sich über weite Strecken nicht so angefühlt.

Dabei hat es toll angefangen, das Jahr. Ende 2019 hatte ich endlich meine Schlafprobleme in den Griff bekommen, über Wochen ein Leben geführt wie ein normaler Mensch, der morgens aufsteht und sich abends ins Bett legt und dann auch schläft. Ich dachte, es wäre auf einen Wechsel meiner Medikamentenmarke zurückzuführen, und ich hoffte, es wäre von Dauer. Ich tat alles, um das nicht wieder einreißen zu lassen, und verbrachte lieber Silvester allein auf meinem Balkon, um kurz nach Mitternacht ins Bett gehen zu können, statt auf der kleinen Party mit Freunden, auf der mein Mann war.… Weiterlesen

Zwei Päckchen nach Stuttgart

Genau neunzehn Jahre ist es her. Am 27. November 1999 stand ich in der alten Post im Kölner Hauptbahnhof, dort wo heute die Buchhandlung Ludwig ihren Laden hat, früh am Morgen, noch ehe meine Arbeit als Buchhandelsauszubildende anfing, und schickte hämmernden Herzens ein Paket nach Stuttgart. Der Inhalt: ein Packen Papier, eine halbe Patrone Druckertinte und all meine Hoffnungen. Die Fantasy-Lektorin bei Klett-Cotta hatte nach Lektüre von Exposée und Leseprobe meines Debütromans »Eine Flöte aus Eis« das Gesamtmanuskript angefordert, und das weniger als eine Woche nach Einsendung. Dass das ganz unerhört großartig war, das wusste ich.

Wie selten es wirklich vorkommt, dass Lektoren nach so einer unverlangten Einsendung überhaupt das Manuskript anfordern, konnte ich noch nicht erfassen, das kam erst nach und nach, viele kommentarlose Ablehnungen später, aber damals, im November 1999, hatte ich gerade meine allererste Verlagsbewerbung überhaupt abgeschickt, an den einen Verlag, bei dem ich unbedingt veröffentlicht werden wollte. Im Nachhinein kann schwer nachvollziehen, was die Lektorin in meiner Leseprobe gesehen hat. Oder in dem Exposée. Wirklich, das Exposee war graußlich! Und das Buch, so sehr ich es auch liebte, so gut auch wieder nicht. Ehrlich, ich würde in der gleichen Situation wahrscheinlich eine kommentarlose Absage rausschicken, aber die gute Frau forderte das Manuskript an, und auch wenn sie es ein halbes Jahr später dann doch ablehnte, konnte ich noch Jahre später davon zehren.… Weiterlesen

Ein Buch mit Sieben Siegeln

Im April 2011 erklärte ich nach gut einjähriger Arbeit meinen High-Fantasy-Roman Das gefälschte Siegel für fertig. Im Dezember 2014 verkündigte ich freudig, dass ich für diesen Roman einen Verlagsvertrag unterschrieben habe – und das bei nichts geringerem als meinem absoluten Traumverlag, wo ich bereits 1999 versucht hatte, meinen Erstling unterzubringen, und es danach immer und immer wieder versucht hatte, bis es dann mit meinen Fälschern endlich klappen sollte. Und seitdem hülle ich mich, was das Gefälschte Siegel angeht, in Schweigen. Ist der Vertrag geplatzt? Ist das Buch längst erschienen, und ich habe es nur niemandem verraten? Die Antwort ist simpler und komplizierter zugleich, aber die Zusammenfassung davon lautet: Ich schreibe gerade Das gefälschte Siegel.

Warum das? Ganz einfach. Das Buch, das ich vor sieben Jahren geschrieben habe, ist nicht gut genug. Damals war es sicherlich mit das Beste, was ich zustandebringen konnte, aber damals war ich sieben Jahre jünger, hatte noch nichts veröffentlicht, noch nie mit einem Lektor gearbeitet, und konnte vieles von dem, was ich heute kann, noch nicht. Und die Überarbeitung, die ich vorgenommen habe, um das Buch dann drei Jahre später dem Verlag anzubieten, verdiente letztlich diesen Namen nicht: Damit meine Agentin es noch zur Frankfurter Buchmesse mitnehmen konnte, habe ich im Harzurlaub jeden Abend zwei Kapitel durchgeacktert – mehr als eine sprachliche Politur war damit nicht möglich, aber eine sprachliche Politur war auch genau das, was ich mir unter einer Überarbeitung vorstellte.… Weiterlesen