Der Romanfriedhof: »Die Welt in der Wühlkiste«

Der Todeskandidat, den ich euch heute vorstellen möchte, ist ein besonderer Fall unter meinen Schrankleichen. Nicht nur ist der Roman mausetot, er wurde ausgeschlachtet. Und während ich bei anderen toten Romanen immer nochmal daran denke, sie vielleicht wiederzubeleben, kann ich mir das hier nicht erlauben – jeder Versuch, Die Welt in der Wühlkiste mit neuem Leben zu füllen, würde bedeuten, ein anderes Projekt, das ich sehr liebe, zum Tode zu verdammen. Es ist fast ironisch, dass ein Roman, der daran scheitern sollte, dass ihm Herz und Seele fehlten, am Ende selbst zu Herz und Seele meiner Fälscher-Trilogie werden sollte. Und dabei war ich auf das Konzept so stolz! Ein Roman, der auf der Metaebene arbeitet, der die vierte Wand durchbricht, eine brillante Mediensatire, die das Fantasy-Genre und das Buchwesen an sich aufs Korn nimmt … Manchmal bin ich einfach zu genial für mein eigenes Wohlergehen.

Fantasyromane, in denen unbescholtene Normalbürger in phantastische Welten versetzt werden, sind typische Genrevertreter der achtziger und neunziger Jahre und haben inzwischen fast schon Seltenheitswert, aber zur Blütezeit meines Fantasylesens machten sie wirklich einen großen Anteil aus. Ich erinnere mich an weltenreisende Rollenspieler, Polizisten und Mechanikerinnen, und in einmem besonders origellen Vertreter muss ein Autor in seine eigene Welt reisen, um sie vor dem Untergang zu bewahren.… Weiterlesen

Grosse Träume, langer Atem

Als ich meinen ersten Roman fertiggestellt hatte – ein erhebendes Gefühl nach all den Fragmenten, die ich in die Welt gesetzt hatte – wusste ich genau, was mit ihm passieren sollte. Natürlich, ich wollte, dass er veröffentlicht wird, und es war keine Frage, wo. Warum mich mit etwas Geringerem abfinden als dem renommiertesten Verlag für Fantasy und Phantastik, den ich mir nur vorstellen konnte? Ich wollte dahin, wo meine Lieblingsbücher erschienen: Das Letzte Einhorn. Die Brautprinzessin. Gormenghast. Dass der Verlag außerdem die deutschen Rechte an Tolkiens Werken hatte, interessierte mich in dem Moment weniger, aber beeindruckend war es schon – und ehrfurchtseinflößend genug, dass ich wusste, dass ich noch gut genug war. Das Buch musste erst überarbeitet werden, und das war ein Prozess, der sich zwei Jahre lang hinzog. Endlich, 1999, war Eine Flöte aus Eis fertig, überarbeitet, bis zum Glanz poliert, und mit einem Exposée versehen, bereit, nach Stuttgart geschickt zu werden. Die Adresse hatte ich aus dem Verlagsadressbuch Banger, auf das ich als Buchhandelsazubi Zugriff hatte, das Exposee nach bestem Wissen und Gewissen, aber mit wenig Können angefertigt, und dazu gab es das erste Kapitel als Leseprobe, weil in meinem Autorenratgeber stand, dass man nicht das ganze Manuskript schicken sollte.… Weiterlesen

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Plot

Im Sommer 2010, noch bevor es dieses Blog gab, begann ich mit der Arbeit am Gefälschten Siegel, damals noch als Einteiler geplant. Ich war verliebt in das Buch und meine Figuren – kein Wunder, hatte ich doch sämtliche männliche Hauptrollen mit Mitgliedern der von mir verehrten bosnischen Band Regina besetzt, hörte deren CDs beim Schreiben rauf und runter und hatte insgesamt mehr das Gefühl, eine Fanfiction zu schreiben, als einen internationalen Bestseller. Aber auch auf meinen Plot war ich stolz, raffiniert, vielschichtig, immer für eine Überraschung gut. Nach einer plotmäßigen Durststrecke und der Erkenntnis, dass ich mit einem Einteiler nicht hinkomme, wurde der erste Band der nun zur Trilogie umgelobten Reihe 2011 fertig, und ich stürzte mich, ohne Plot, aber mit Elan und Liebe, auf den zweiten Band, Das gefälschte Herz – und scheiterte. Nach neun Kapiteln und rund 300 Seiten brach mir der Roman unter den Füßen weg und wurde auf Eis gelegt, und ich wusste noch nicht einmal, wie ich die beiden angefangenen Kapitel zu Ende schreiben sollte.

Die Fälscher waren nicht das erste Buch, das diesen planlosen Tod starb, wohl aber das erste, seitdem ich mich als Profi bezeichnete. Plotten, sollte man meinen, konnte ich. Selbst Die Gauklerinsel ist fertiggeworden, und das war ein Buch, bei dem ich lange Zeit noch nicht mal wusste, wo es hinwill.… Weiterlesen

Wat kütt? Dat kütt! III

Warum war das Schreibjahr 2013 so ein Flop? Ganz einfach: Weil ich zum Jahreswechsel mein jährliches WKDK verpennt habe. Damit mir das in diesem Jahr nicht noch einmal passiert, ist hier nun die Liste derjenigen Werke, an denen ich 2014 zu arbeiten gedenke. Und es ist eine lange Liste. Kein einziges neues Buch ist dabei, nur Baustellen, die sich in den letzten Jahren angehäuft haben, und weil im vergangenen Jahr nichts fertig geworden ist, bin ich jetzt wirklich im Zugzwang. Schon jetzt habe ich fast für jeden Monat des Jahres eine neue Baustelle – und das heißt, ich darf wirklich nichts neues anfangen, bevor nicht ein, besser mehrere Bücher von der Liste abgearbeitet sind. Das, oder ich muss Projekte in Rente schicken – und das will ich wirklich nicht. Es geht ja nicht um Bücher, die nach einem Probekapitel gescheitert sind, sondern um lauter Ideen, die es schon auf mehr als hundert Seiten gebracht haben und mir zu lieb zum Begraben sind. Sie alle bringen Probleme mit sich, jedes hakt und klemmt auf seine eigene Art – aber sie sollen geschrieben werden, und auch wenn sicher nicht jedes einzelne von ihnen 2014 fertig werden kann, hoffe ich, dass ich zum Jahreswechsel doch das eine oder andere abzuhaken habe.… Weiterlesen

Tag Sieben: Nicht ohne meine Mucke

Mein Blog schleppt sich gerade etwas langsam vor sich hin, nicht, weil ich gerade so wenig schreibe, sondern weil ich es so viel tue, dass zum Bloggen gerade nicht viel Zeit bleibt. Trotzdem, es ist einmal wieder soweit, dass ich mir die nächste Frage von unserem allseits beliebten Dreißig-Tage-Fragebogen vornehme, und wir sind schon angekommen bei
7. Hörst du Musik beim Schreiben? Was für welche? Hast du Lieder, die genau zu deinen Figuren passen?

Meine Mutter dürfte das jetzt nicht sehen, zum Glück liest sie meine Blogs nicht, aber sie war schon immer dagegen, dass ich beim Arbeiten Musik höre. Gut, das stammt aus dem Jahr 1981 und bezieht sich auf meine Hausaufgaben, aber das Argument dahinter ist der gleiche: Wer geistige Arbeit leistet, muss sich dabei konzentrieren und soll sich nicht ablenken lassen, erst recht nicht durch Musik (dass ich manchmal beim Schreiben fernsehe, soll sie noch weniger erfahren, aber danach wird hier ja nicht gefragt). Tatsache ist, wenn ich keine Hintergrundbegleitung habe, kann ich nicht gut schreiben. Für mich ist Musik – die richtige Musik, versteht sich – das weiße Rauschen, dass ich brauche, um nicht ständig abgelenkt zu werden, mir andere Gedanken zu machen oder sonstwie abzuwandern und Dinge zu tun, die gerade nicht anliegen.… Weiterlesen

Wat kütt? Dat kütt! II

Das Schreibjahr 2011 war ohne Zweifel das fruchtbarste meines ganzen Lebens. Nicht nur habe ich mein Jahresziel von 500.000 Wörtern am Ende so locker erreicht, dass ich den Dezember über ruhig ausklingen lassen konnte und keinen Endspurt hinlegen musste, vor allem aber habe ich drei Romane fertiggestellt, einen davon mit über achthundert Seiten, habe einen Roman abgeliefert, der auch nach der Buchmesse positive Resonanz bei den Verlagen hervorgerufen hat, und habe erkannt, dass Schreiben das ist, womit ich den Rest meines Lebens verbringen möchte. Aber das beste ist, dass ich keinen Zweifel daran habe, im Jahr 2012 das Ergebnis nochmal zu übertreffen. Nicht unbedingt an Quantität – 500.000 Wörter sind eine schöne Menge, das muss nicht unbedingt mehr werden – aber doch an Qualität. Ich bin schon gut, aber ich kann und muss mich immer noch steigern. Und so folgen nun, nach meinen letztjährigen Guten Schreibvorsätzen, die ich fast alle eingehalten habe, die Werke in Arbeit, die ich ins neue Jahr mitnehmen werde.

Mohnkinder
Als ein Geniestreich hat sich mein Nanowrimo-Neuzugang in diesem Jahr erwiesen. Mit weniger als zehn Tagen zwischen Idee und Drauflosschreiben hätte das Schlimmste dabei herauskommen können, aber tatsächlich ist mir Percy ans Herz gewachsen wie lange kein Held mehr, die Recherchen machen Spaß, der Plot kommt gut an, und sogar meine Eltern waren vom Konzept überzeugt, eingeschlossen meinen Vater, der noch nie etwas von mir hat lesen mögen.… Weiterlesen

Bis in die Puppen

Einige Wochen habe ich vergnügt am Gefälschten Herz gearbeitet, bis ich das Ende meines Plots erreicht hatte (woher kennen wir das nur?). Dann habe ich zwei Kapitel für Zornesbraut geschrieben, das dritte/fünfte Buch der Chroniken der Elomaran. Und schon liegt beides wieder auf Halde, und ich habe mich endlich einem Herzensprojekt zugewandt: Dem Haus der Puppen. Die Idee dazu ist bald ein Jahr alt, sie kam mir letzten August auf einer Busfahrt von der Arbeit nach Hause – manchmal staune ich über mich selbst, zu welchen kreativen Höhenflügen ich nach Feierabend noch fähig bin, wenn ich eigentlich völlig erschöpft bin und mich nur nach heißem Tee und einem Bett sehne. Im Februar 2000 habe ich auf dem Heimweg angefangen, die Elomaran zu schreiben, und letztes Jahr waren es eben die Puppen.

Schreiben wollte ich das Buch ursprünglich schon im letzten Nanowrimo – aber als ich zwei Wochen vor dem Start immer noch nicht mehr Plot hatte als an jenem Augustnachmittag, habe ich es kurzfristig wieder auf Eis gelegt, in Null-Komma-Nix Geigenzauber aus dem Boden gestampft, geplottet und geschrieben, und auch wenn meine Puppen mir immer wie ein tolles Buch erschienen, wußte ich nicht, ob ich das jemals schreiben kann.… Weiterlesen