Alles aus einer Hand

Ich fahre zur Zeit nicht besonders gerne Bus. Nachdem ich fast den ganzen Dezember über unter einer Psychose gelitten habe, die mich vor allem im Umgang mit anderen Menschen oder auch nur in ihrer Umgebung sehr aggressiv gemacht hat. Und da gibt es kaum etwas schlimmeres als einen überfüllten Bus voller Leute, die lärmen und müffeln und drängeln und stören. Die Alternative ist, zu Fuß zu gehen, was mir nur gut tut und auch zu meinem Ansinnen paßt, dreißig Kilo zu verlieren, aber bei diesem Wetter… Drei Kilometer durch den Regen, das ist auch kein Vergnügen, und da fahre ich dann doch lieber mit dem Bus. Wenn ich Glück habe, kriege ich einen Platz ganz vorne und muß keine anderen Leute sehen, sonder kann vorne rausgucken, aber der Platz ist natürlich als erster weg.

Also habe ich heute einem Mann gegenübersitzen müssen – dachte ich zumindest. Denn ganz schmal und auf den ersten Blick fast zu übersehen, daß neben dem Mann am Fenster noch ein ganz kleiner Junge. Ich würde ihn auf drei Jahre oder so schätzen, und der Vater war so in meinem Alter. In jedem Fall wußte das Kind, was es wollte. »Lies mir eine Geschichte vor!«
Wie schön, ein Kind, das schon in jungen Jahren dem Zauber verfallen ist… Aber der Vater mußte ihn vertrösten.… Weiterlesen

Pisa-Schock

Er saß heute mit mir im Zug, leibhaftig: Der Pisa-Schock. Und dies tat er in Gestalt von Britta und Jutta, zwei jungen Frauen, die ich mangels Alternativen als Studentinnen bezeichnen muß.
Es war früh am Morgen, Baumbergebahn von Billerbeck nach Münster, und ich hoffte auf eine geruhsame Fahrt. Doch Britta hatte bereits auf Jutta gewartet und dirigierte sie ebenso lautstark wie wortreich zu dem Vierersitz auf der anderen Gangseite, um wenn schon nicht den ganzen Zug, dann doch zumindest mich zur Zeugin ihrer geballten Ignoranz zu machen. Denn Jutta hatte offenbar ein Problem gehabt bei der Bewältigung ihrer Chemie-Hausaufgaben. Und Britta konnte ihr da nur zustimmen. Es ging um: Die Dichte von Wasser. Und um: Die Dichte von Studentinnen.

»Ich kenne die Dichte von Wasser nicht«, sagte Jutta. »Ich weiß nicht, wo wir die hernehmen sollten.«
Britta pflichtete ihr bei. »Die Dichte von Wasserstoff«, sagte sie. »Die habe ich gefunden.«
»Ja«, sagter Jutta. »Aber Wasser, das ist doch immer H2O. Da ist dann noch Sauerstoff mit dabei.«
Britta nickte. »Damit müssen die die Luftbläschen im Wasser meinen.«

Minuten später. Eine andere Aufgabe. Oder immer noch die gleiche? Offenbar muß berechnet werden, wieviel Energie nötig ist, um 500 Gramm Wasser von 0°C auf 100°C zu erhitzen (stimmt, dafür muß man die Dichte kennen).… Weiterlesen

O Tempore. O Mori.

Heute Morgen, 8:30, Bus der Linie 11, Münster, auf Höhe der Haltestelle Krummer Timpen. Kurz bevor ich aussteigen muß, fällt mir eine junge Mutter auf. Sie trägt einen Säugling auf dem Arm, ein Kind von vielleicht drei oder vier Monaten, und hält es so, daß es aus dem Fenster sehen kann. Am Straßenrand: Ein Fahrzeug des Straßenbauamtes, zwei Männer.
Die Mutter spricht zum Kind:
»Ja schau mal, das Auto da hat ein blinkendes Licht!
Und da – ein Mann arbeitet, und ein anderer schaut zu.
Na – da kann man ja einen von wegrationalisieren.«

Dies ist ein alter Beitrag, ursprünglich 2005 für ein anderes Blog geschrieben, den ich nach Hollow Willow importiert habe.Weiterlesen