Als Kind war ich immer ein großer Freund von Sommer- und Zeltlagern. Als Siebenjährige war ich zu Pfingsten in einem Friedenscamp und lernte, Handpuppen zu nähen, mit zehn verbrachte ich mit meiner Schwester zehn Tage in einem Hüttendorf in den Niederlanden, wo meine Schwester sich Kopfläuse anfing und ich mir Gesicht und Hände verbrühte, als ich eine blecherne Zweiliterkanne heißen Tees quer durch das Lager tragen musste, und mit dreizehn und vierzehn fuhr ich mit dem Jugendrotkreuz in die Eifel, um meine Eltern wenig zu begeistern mit der Postkarte »Ich habe mir den Fuß verstaucht, aber der Gips ist schon wieder ab« – sie hätten das doch gerne etwas früher erfahren, zum Beispiel von der Lagerleitung. Aber egal, ich war begeistert. Als ein Kind, das virtuell keine Freunde hatte, war es für mich etwas Tolles, mit einem Haufen Wildfremder zusammengewürfelt zu werden und ohne Vorurteile und böse Gerüchte quasi bei Null anzufangen. Die Zufallsgemeinschaften in der Hütte oder im Zelt entwickelten natürlich schnell eine Sozialstruktur und Hierarchie, in der ich längst nicht immer oben stand, aber selbst wenn es schrecklich wurde, das zweite gute an diesen Lagern war ja, nach zwei Wochen spätestens waren sie durchgestanden.
Und heute, als Erwachsene, habe ich mich wieder in einem Lager interniert.… Weiterlesen
