Überarbeiten? Ja! Überarbeiten? Nein!

Was habe ich geflucht Anfang des Jahres, als ich versucht habe, vor der Leipziger Buchmesse Geigenzauber zu überarbeiten, korrigieren und dabei alle Kommentare aller Betaleser unter einen Hut zu bringen. Zeitweise saß ich mit vier verschiedenen Ausdrucken da, ich habe gejammert und geheult und Stunden um Stunden verbracht… Es kommt ja selten genug vor, dass ich, Linux-Geek vor dem Herrn und passionierte Open- bzw. LibreOffice-Userin mal dazu aufrufen würde, ein Microsoft-Programm zu nutzen, aber tatsächlich muss ich sagen, die Anschaffung von MS Word hat mir jetzt echt die Woche gerettet. Nicht, dass ich jetzt mein Linux deinstalliere und in Zukunft nur noch unter Windows schreiben will. Aber wo es ums Überarbeiten geht, ist MS Word den freien Konkurrenten haushoch überlegen.

Zum Beispiel kann ich alle kommentierten Versionen eines Kapitel zu einer Datei zusammenfassen, in der dann alle Kommentare, farblich nach Urheber unterschieden, am Rand stehen, und ich sehe auf einen Blick die Stellen, die von mehreren angemerkt worden sind. Oder als RubinaGela wie ein geölter Blitz die Rechtschreibung korrigiert hat, musste ich nur noch von Änderung zu Änderung springen und annehmen, ablehnen oder umformulieren. Ich hatte drei Tage allein für die Rechtschreibkorrektur vom Haus der Puppen gerechnet – und war nach drei Stunden fertig.… Weiterlesen

Verpuppt und zugenäht

Ich habe es geschafft. Mit einem großen Endspurt, bei dem ich in einer Woche achtzig Seiten geschrieben habe, und das auch noch mit keinem Plot am Anfang, einer Convention in der Mitte und Nebenhöhlenentzündung am Ende, habe ich Das Haus der Puppen zu einem Abschluss gebracht. Nach einem Probekapitel im Mai ist das Buch – 485 Normseiten – vor allem in den Monaten Juli bis September 2011 entstanden, eine stolze Leistung für ein Buch dieser Dicke. Und auch wenn ich gestern noch Angst hatte, ich würde das Ende völlig ruinieren, ist es dann doch so ausgegangen, wie ich es vor meinem inneren Auge hatte. Vielleicht ist der Schluss etwas überhastet, aber ich wollte ihn nicht unnötig in die Länge ziehen, um nicht den Schwung rauszunehmen. Das Ende ist so zart geworden, wie ich mir gewünscht habe – es bleibt ein bisschen offen, ob Florence und Lucy nun in Liebe oder Freundschaft verbunden sind, um mir die Option auf eine Fortsetzung offenzuhalten, und siehe da, als ich nach fast viertausend Wörtern in einer Nacht gestern um halb sechs in der Frühe endlich im Bett gelandet bin, hatte ich auch schon erste Ideen für einen zweiten Band.

Da meine Feen unsterblich und alterslos sind, können sie auch dreißig Jahre später noch genauso aussehen wie im ersten Buch.… Weiterlesen

Tag Zwei: Männlein gegen Weiblein

Es ist langsam mal wieder an der Zeit, dass ich mich den dreißig Fragen zuwende, vor allem, da ich erst eine davon beantwortet habe. Nachdem ich mich entschieden habe, Das Haus der Puppen mit einer unkonventionellen Liebe zu beenden, passt es sehr schön, dass die zweite Frage des berüchtigten Stöckchens lauten:
2. Wie viele Figuren hast du? Bevorzugst du Männer oder Frauen?

Ich hoffe, niemand erwartet ernsthaft von mir, meine Figuren zu zählen. Ich habe zwar tendenziell gar nicht so viele Figuren in meinen Geschichten, arbeite lieber mit wenigen Charakteren, als dass ich ganze Heerscharen aufmarschieren lasse – was mich als Autorin epischer Fantasy sicher disqualifiziert. So treten zwar in den Chroniken der Elomaran siebenundfünfzig Figuren, kleinste Nebenrollen mitgerechnet, aber auf vier nicht immer dünne Bände verteilt ist das nicht wirklich viel. Und beim Haus der Puppen komme ich mit acht Figuren aus. Natürlich ist das nicht viel. Aber über die Jahre ist doch einiges zusammengekommen, ich habe in den letzten fünfundzwanzig Jahren mehr Personen aufmarschieren lassen, als ich jetzt noch aufzählen könnte. Daher kann ich die Frage nur beantworten mit: Viele.

Was den zweiten Teil der Frage angeht: Tendenziell sind meine Hauptfiguren eher männlich als weiblich, und bis vor ein paar Jahren hatte ich große Probleme, mit weiblichen Hauptfiguren zu arbeiten, weil sie mir immer zu ähnlich wurden, um von mir noch als individuell wahrgenommen werden zu können, und das machte sie hölzern und leblos – anders als die Männer, die per se anders waren als ich und dann auch schnell autonom agieren konnten.… Weiterlesen

Endlich Fee!

Wenn es eine Sache gibt, mit der ich hadere, sind das Mädchen-bekommt-Jungen-Happyends. Dabei bin ich kein Gegner von liebevollen Beziehungen, bloß nicht, ich lebe selbst in einer. Und ich glaube auch nicht, dass Romanheldinnen nicht das Recht auf eine glückliche Partnerschaft haben. Ich finde nur, dass sie nicht dazu gezwungen werden dürfen, nur weil irgendwelche Genre-Konventionen das vorsehen. Schon bei Geigenzauber habe ich versucht, ein Ende herbeizuführen, bei dem Mia am Ende stolz und frei in den Sonnenuntergang reiten sollte – nur dass sie dann doch sehr wahrhaftig verliebt war und ihren Branwell haben wollte, den sie dann auch bekommen hat. Aber jetzt, beim Haus der Puppen, und wieder habe ich eine Chance, gegen alle Normen zu verstoßen – alles, was mir dafür fehlt, ist ein Plot. Oder besser: War. Denn stand ich gestern noch ganz ohne da, ist nun, eine weitgehend schlaflose Nacht später, alles in Butter mit dem Plot. Und ich bekomme endlich das unkonventionelle Ende, nach dem ich mich gesehnt habe.

Eigentlich sieht alles ganz einfach aus: Florence entscheidet sich, ein Mensch zu bleiben, und findet an dem knackigen Feenjäger Alan mehr als nur eine Schulter zum Anlehnen. Nur was dabei fehlt, ist der Konflikt. Meine Freundin Aryana hatte Recht: Solange es für Florence keinen Grund gibt, warum sie Fee werden sollte, ist die Entscheidung keine.… Weiterlesen

Die Welt ist nicht genug

Ich meine das ja nicht nur im übertriebenen Sinne, wenn ich sage, ich bin dem Wahnsinn anheimgefallen. Nachdem ich jetzt, sicherlich bedingt durch meine gesundheitlichen Probleme und die Tatsache, dass ich fast den ganzen Dezember über krankgeschrieben war, meine Stelle verloren habe, bleibt mir viel Zeit, mich auf das Schreiben zu konzentrieren, und so habe ich mich frohen Mutes auf ein Tagespensum eingelassen, mit dem ich jeden Monat ohne größere Not locker-flockige fünfzigtausend Wörter schreibe wie sonst nur im Nanowrimo. Aber jetzt beginnt der Herbst, das heißt, der echte Nanowrimo steht vor der Tür, und ich stehe vor der Frage, was ich mache. Wie schon erwähnt, ist meine Liste der Bücher, die ich schreiben will, zu lang, um sie in einem Jahr zu bewältigen.

Am Ende war ich runter auf zwei potenzielle Nano-Romane: Die Kinder des Hauses Otrempa und Geisterlied, das Buch, mit dem ich schon im Nanowrimo 2008 Schiffbruch erlitten habe. Auch der Versuch, die Naniten im Tintenzirkel darüber entscheide zu lassen, war unergiebig: Beide Konzepte bekamen ungefähr gleich viele Stimmen. Als ich mich dann, aus dem Bauch heraus und beraten von meinem Freund, für die Otrempas entschieden habe, war die Geisterfront enttäuscht, und ich irgendwie auch – und dann hat mich der Hafer gestochen.… Weiterlesen

Tag Eins: Meine Lieblingswelt

Nirgendwo steht, dass die dreißig Tage, die man über das Schreiben bloggen soll, auch zusammenhängend sein müssen. Ich nehme mir darum die Freiheit raus, sie nach und nach zu beantworten – die Aussicht, plötzlich nur noch identisch aussehende Überschriften im Blog zu haben, sagt mir überhaupt nicht zu. Aber zumindest die vorgegebene Reihenfolge werde ich einhalten und beginne darum mit Frage Nummer Eins:
1. Erzähl uns von deinem Lieblingsschreibprojekt/der Lieblingswelt, mit der du gearbeitet hast, und warum?

Ich bin nicht der größte Weltenbauer, den die Menschheit jemals gesehen hat. Eher im Gegenteil. Meine Welten sind meistens so aufgebaut, dass man, sobald man einmal vom Weg abweicht, die Kulissen von hinten sieht und ansonsten von viel Weiß umgeben ist. Bei meiner Lieblingswelt ist das nicht der Fall. Zugegeben, sie ist sehr, sehr klein, und es ist vermessen, sie als »Welt« zu bezeichnen, ich tu es aber trotzdem. Die Rede ist von der Gauklerinsel, Heimat des gleichnamigen Romans. Ein Inselchen mit einer Stadt von vielleicht einigen zehntausend Menschen, in der Mitte eine große Zitadelle, und das ganze auf einer Insel, die sonst nichts nennenswertes zu bieten hat, das war’s dann auch schon. Aber in dieser Stadt kann ich spazierengehen, als hätte ich jahrelang dort gewohnt.… Weiterlesen

30 Tage übers Schreiben bloggen

Die Stöcken machen die Runde in den Autorenblogs, und dieses hier ist besonders aufwendig: Dreißig Fragen über das Schreiben werden gestellt, jeden Tag muss eine davon beantwortet werden. Das machte eine Menge Arbeit – und doch hat keiner meiner Autorenfreunde sich das bisschen Zeit genommen, diese dreißig Fragen aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen. Statt dessen entschuldigen sie sich, dass sie ihre Antworten auf Deutsch schreiben… Ich habe mich also mal hingesetzt und die Fragen übertragen, damit auch diejenigen das Stöckchen annehmen können, die sich im Englischen nicht so sicher fühlen, dass sie alle Fragen richtig interpretieren könnten. Woher und von wem das Mem ursprünglich kommt, weiß ich nicht – Tina Alba hat es von Christel Scheja, und woher die es hat… Egal. Ich werde mich also in den nächsten Tagen durch den Fragebogen arbeiten. Heute ist mein letzter Arbeitstag, und ab morgen habe ich Zeit!

  1. Erzähl uns von deinem Lieblingsschreibprojekt/der Lieblingswelt, mit der du gearbeitet hast, und warum?
  2. Wie viele Figuren hast du? Bevorzugst du Männer oder Frauen?
  3. Wie kommst du auf Namen für Figuren (und für Orte, wenn du über fiktive Orte schreibst)?
  4. Erzähl uns von einer deiner ersten Geschichten/Figuren!
  5. Dem Alter nach, wer ist deine jüngste Figur?
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Ein Fall für Achim

Ich wollte immer Krimis schreiben. Bevor ich mich 1993/94 auf Fantasy konzentrierte, habe ich es mit Mörderjagden versucht. Meine Detektive hatten genug Profil, um eine ganze Reihe tragen zu können – da war der schräg-geheimnisvolle Orion West, der immer neue Geschichten für das Fehlen seines rechten Daumens hatte, und der gerne verhinderte, auf die Abschussliste zu kommen, indem er allen Verdacht auf sich lenkte und damit für den Mörder ein sanftes Ruhekissen darstellte, oder das »Stümper-Team«, eine Gruppe aus einer verhinderten Autorin, einem klein geratenen Schauspieler und einem korrupten Polizisten, die Verbrechen im englischen Hinterland aufklären sollten. Der Schönheitsfehler lag nur darin, dass meine Morde nicht aufzuklären waren, und Orion West, Alison Ellisson und die ganzen anderen nie dazu kamen, ihre wahre Genialität unter Beweis zu stellen.

Aber ich habe diesen Traum nie aufgegeben. 2005 wäre ich um ein Haar eine Drei-Fragezeichen-Autorin geworden, vermittelt durch die großartige Astrid Vollenbruch: Ich hatte ein Exposee, eine Leseprobe, guten Kontakt zur Redakteurin – und dann bekam ich eine Vollzeitstelle, hatte keine Zeit mehr für Auftragsschreibereien (das war vor meinem ersten Nanowrimo, und mein Zeitmanagement war effektiv nicht vorhanden), und so bin ich dann von dem Plan zurückgetreten, auch wenn ich immer noch finde, dass ich einen guten Plot hatte und noch ein paar interessante Fälle im Hinterkopf.

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Was zu erzählen

Es ist nicht lange her, da bin ich von meinem Jahresziel von 500.000 Wörtern auf 400.000 runtergegangen. Bedingt durch meine veränderte Lebenssituation schreibe ich aber jetzt zumindest inoffiziell wieder an der halben Million – mein Ziel für den August, dank Camp Nanowrimo, sind 50.000 Wörter, und ich liege gut im Rennen, habe mir sogar schon anderthalb Tage Vorsprung rausgeschrieben. Jetzt habe ich noch eine Woche zu arbeiten, dann kommt mein Resturlaub, und ich werde zusehen, dass ich diese Ziel auch für die restlichen Monate des Jahres schaffe. An einem soll es jedenfalls nicht scheitern: Ich habe genug Geschichten, an denen ich arbeiten kann. Mich entsetzen immer die Autoren, die genau ein Werk haben, das dann jahre- bis jahrezehntelang überarbeitet wird, auf das sie ihre ganzen Hoffnungen setzen, und wenn sie keinen Agentur- oder Verlagsvertrag für dieses eine Werk bekommen, geht für sie die Welt unter. Dabei würde ich weder als Agentur noch als Verlag einen Autor an Bord nehmen wollen, der verspricht, ein One-Hit-Wonder zu werden.

Bei mir ist es gerade umgekehrt. Selbst wenn ich jetzt bis zum Jahresende noch jeden Monat im Nano-Format schreibe, werde ich trotzdem nicht alles schaffen, was ich mir für 2011 vorgenommen habe. Der Plan sieht gegenwärtig ungefähr so aus: Ich schreinbe Das Haus der Puppen fertig – da stehe ich nach meiner Berechnung gerade bei der Hälfte, und ich denke, ich brauche noch mindestens den halben September, um es zu einem Ende zu bringen, wenn ich mit einer Gesamtlänge von um die 400 Normseiten rechne.… Weiterlesen

Fünf Fragen

Romy Wolf hat mir ein Stöckchen zugeworfen, dem ich nicht widerstehen konnte. Sie hat in ihrem Blog fünf Fragen von Tanja Rast beantwortet und angeboten, jedem der »Hier« schreit auch fünf Fragen zu stellen. Es sind also nicht jedesmal die gleichen fünf Fragen, sonder individuelle, und wer bei mir laut genug »Hier!« schreit, für den werde auch ich mir fünf großartige, wundervolle, bohrende Fragen ausdenken. Hier sind die Fragen, die ich gewonnen habe:

1. Welches ist die beste Figur, die du je geschrieben hast?

Das wechselt natürlich von Zeit zu Zeit und ist meistens eine Figur, mit der ich gerade arbeite. Ich denke, sowohl Kevron als auch Tymur aus meiner Fälscher-Trilogie sind mir sehr gut geraten, ebenso verschiedene Figuren aus den Chroniken der Elomaran – Alexander und Jurik. Aus der Gauklerinsel möchte ich fast jeden nominieren. Aber wenn ich mich für einen einzigen entscheiden muss, wähle ich Shen aus Lichtland. Er ist so rätselhaft, dass er mir seine Geschichte lange selbst nicht verraten wollte, und als ich sie dann erfahren habe, war sie so traurig und komplex, dass sie im Buch eigentlich gar keinen Platz hat. Außerdem war er der erste eigene Charakter, in den ich mich ernsthaft verliebt habe – sonst passiert mir sowas nur mit Figuren anderer Autoren.… Weiterlesen