Fünf Fragen

Romy Wolf hat mir ein Stöckchen zugeworfen, dem ich nicht widerstehen konnte. Sie hat in ihrem Blog fünf Fragen von Tanja Rast beantwortet und angeboten, jedem der »Hier« schreit auch fünf Fragen zu stellen. Es sind also nicht jedesmal die gleichen fünf Fragen, sonder individuelle, und wer bei mir laut genug »Hier!« schreit, für den werde auch ich mir fünf großartige, wundervolle, bohrende Fragen ausdenken. Hier sind die Fragen, die ich gewonnen habe:

1. Welches ist die beste Figur, die du je geschrieben hast?

Das wechselt natürlich von Zeit zu Zeit und ist meistens eine Figur, mit der ich gerade arbeite. Ich denke, sowohl Kevron als auch Tymur aus meiner Fälscher-Trilogie sind mir sehr gut geraten, ebenso verschiedene Figuren aus den Chroniken der Elomaran – Alexander und Jurik. Aus der Gauklerinsel möchte ich fast jeden nominieren. Aber wenn ich mich für einen einzigen entscheiden muss, wähle ich Shen aus Lichtland. Er ist so rätselhaft, dass er mir seine Geschichte lange selbst nicht verraten wollte, und als ich sie dann erfahren habe, war sie so traurig und komplex, dass sie im Buch eigentlich gar keinen Platz hat. Außerdem war er der erste eigene Charakter, in den ich mich ernsthaft verliebt habe – sonst passiert mir sowas nur mit Figuren anderer Autoren. Shen ist ultimativ cool, trägt den ultimativ coolen Hut und hat eine Art zu reden, die sonst keine meiner Figuren hat, er spielt die Bälle zurück und hinterfragt alle Fragen, bis einem die Ohren schlackern. Leider ist mir für Lichtland auf halbem Wege der Plot ausgegangen, und ich werde das wohl nie zuende bringen – aber Shen liebe ich immer noch.

2. Welche die schlechteste?

Ich lasse jetzt mal die Sachen weg, die ich in meiner Kindheit geschrieben habe, als ich mir über so Sachen wie Charakterzeichnung noch keine Gedanken gemacht habe, und setze vorbehaltlos auf Lonnìl aus Eine Flöte aus Eis. Er ist das Abziehbild eines großen Helden, so selbstgerecht und strahlend, dass ich ihn selbst nicht mehr ernst nehmen konnte – nicht die beste Voraussetzung für eine Hauptfigur. Über seine blinde Liebe zur Elfe Schwinge mache ich mich lustig, sein Gerechtigkeitsdrang wird zu dem stumpfen Bestreben, alle Adligen abzuschlachten, und dass er ursprünglich mal sechsunddreißig Jahre alt sein wollte – also so alt, wie ich jetzt bin, damals war ich einundzwanzig – war anhand seines Verhaltens nicht haltbar, weswegen er bei der Überarbeitung spontan zu einem Achtzehnjährigen wurde – was ihn aber auch nicht rettet. Ärgerlich ist das deswegen, weil ich es damals schon besser gekonnt hätte, aber selbst unglücklich verliebt war und das Thema darum nicht ernstnehmen konnte. An dem Charakter habe ich mich echt versündigt.

3. Ein Verlag will ein Buch von dir verlegen und du darfst dir aussuchen, welches – was wählst du?

Die Gauklerinsel. Ohne zweimal nachdenken zu müssen. Die sollen die Gauklerinsel verlegen. Alles andere zeige ich denen gar nicht erst.

4. Welche Figur eines anderen Autoren hättest du selber gerne erfunden?

Ich denke, das wäre dann wohl Steerpike aus Gormenghast. Er ist vielschichtig, böse, durchtrieben, und hat sicher massgeblich dazu beigetragen, dass ich heute so schreibe, wie ich schreibe, und keine Angst habe, auch mal extreme Figuren zu verwenden. Ich habe das Buch mit siebzehn zum ersten Mal gelesen, was sicher zu früh war, aber die Geschichte hat mich danach nicht mehr losgelassen. Steerpike steht auch nur stellvertretend für das ganze Figurenpanoptikum des Mervyn Peake, lauter schräge Gestalten, von denen eigentlich keiner zum Liebhaben konzipiert ist und die ich doch alle sehr, sehr lieb habe.

5. Wenn du nicht Fantasy schreiben würdest, in welchen Genre würdest du dich dann niederlassen – und warum?

Auch da muss ich nicht lange überlegen. Ich wollte immer schon Krimis schreiben – keine Thriller, sondern klassische Krimis mit Mördern und Opfern, oder Detektivgeschichten für Jugendliche. Das ist die Art von Büchern, die ich am liebsten lese, lieber noch als Fantasy, und ich habe mich schon an vielen Krimis versucht. Meine Detektive hatten Format, meine Mörder waren genial, leider war ich außerstande, die Fälle aufzuklären – meine Täter machten einfach keine Fehler, weil ich so sehr damit beschäftigt war, den perfekten Mord zu begehen. Ich habe angefangen, Fantasy zu schreiben, weil ich darin besser war als in Krimis. Aber wenn ich keine Fantasy mehr schreiben könnte oder wollte, dann würde ich sicher versuchen, zu den Krimis zurückzukehren. Barnabas der Vampir und Orion West würden es mir danken.

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