Das Ende einer Ära II

Manchmal ändern sich Dinge. Das kann gut sein oder schlecht, und man muss nicht alles mitmachen. Aber manchmal kommt es vor, dass man sich gegen Dinge stemmt, die nicht aufzuhalten sind. Dann kann man den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wäre nichts passiert, und einfach so weitermachen wie bisher, während sich der Rest der Welt weiterdreht. Das habe ich getan, dreizehn Jahre lang – aber irgendwann kommt der Moment, da knicke auch ich ein. Ich will eine professionelle Schriftstellerin sein. Und gibt es etwas Unprofessionelleres als Rechtschreibfehler? Daher ist mein Entschluss gefallen. Der Widerstand war toll, aber Regeln sind Regeln: Und so wechsle jetzt auch ich zur Neuen Deutschen Rechtschreibung.

Das ist ein Schritt, der mir schwerfällt, und das hat nicht nur mit Trotz zu tun. Ja, ich bleibe dabei, ich mag die Neuschreibung nicht. Ich halte sie für inkonsequent – wenn sie den Stengel zum Stängel machen mit der Begründung, immer nach dem Wortstamm zu gehen, und der ist ‚Stange‘, warum schreiben sie die Eltern dann nicht ebenfalls mit Ä, wo es doch von ‚alt‘ kommt? Aber vor allem hat es lange gedauert, bis ich überhaupt die Alte Rechtschreibung drauf hatte. Ich habe als Kind viel zu schnell lesen gelernt und denn Sinn eines Wortes erfasst, bevor ich mir das Schriftbild einprägen konnte. Während der Grundschule habe ich fast ausschließlich phonetisch geschrieben, nicht aufgrund einer Rechtschreibschwäche, aber weil ich keine Lust hatte, mich hinzusetzen und Wort für Wort auswendig zu lernen, wenn es doch auch so ging. Tatsächlich war meine Rechtschreibung im Englischen deutlich besser, weil die Wörter da alle neu waren – während mir mein Deutschlehrer im fünften Schuljahr, der von meinem Berufswunsch Schriftstellerin wusste, riet, mir eine Sekretärin zuzulegen (das war 1985. An die »Duden Rechtschreibkorrektur für Word« dachte damals noch keiner).

Richtig schreiben gelernt habe ich dann auf die harte Weise, und den besten Effekt hatte letztlich Microsoft Word ab Version 1997 – wenn frisch getipptes Wort vor deinen Augen rot unterschlängelt wird, hat das schon eine gewisse Lernwirkung. Das hilft auch bei Flüchtigkeitsfehlern, derer ich wider besseres Wissen hunderte mache, aber schnell korrigiere, und auch bei Wörtern, deren Schreibweise ich mir nie richtig habe merken können wie ‚bequem‘ (was ich immer mit H schreiben will) oder ‚allmählich‘, das ich anfangs noch so falsch geschrieben habe, dass die Rechtschreibprüfung das Wort nicht mal erkannt hat. Und dann, endlich, als die Rechtschreibung saß, zog man mir den Boden unter den Füßen weg und ordnete eine NEUE Rechtschreibung an. Ohne mich. Abgelehnt.

Die Gründe, bei der alten Schreibweise zu bleiben, waren naheliegend: Ich hatte nur Word 2000, die Rechtschreibprüfung kannte nur die alte Schreibweise, und ich war auch meine Korrektur angewiesen. Aber seit einigen Jahren schreibe ich statt dessen mit OpenOffice (bzw. jetzt mit LibreOffice), und spätestens seit Installation des Duden Korrektors wird mir eiskalt jedes ‚daß‘. jedes ‚wußte‘ als Fehler angestrichen. Irgendwann werde dabei sogar ich mürbe. Hinzu kommt, dass einer der Lektoren sich beschwert hat (der, dessen Verlag dann auf Tauchstation gegangen ist, aber in dem Punkt hatte er nicht unrecht).

Außerdem haben wir ein Autorenforum für Jugendliche eröffnet, die Phantastatur, und die Mitglieder dort haben die Alte Rechtschreibung nie kennengelernt und müssen ja sonst denken, die Chefin weiß nicht mal, wie man schreibt. Also, neue Rechtschreibung für mich. Wenn es nur damit getan wäre, jetzt ‚dass‘ und ‚wusste‘ zu schreiben! Leider kaufe ich im Pack auch noch die neue Zeichensetzung. Und die mag ich nun wirklich nicht! Sie streicht mir Kommata an, die bei meinen tendenziell oft längeren Sätzen wichtig sind, um die Struktur des Satzes zu verstehen (und die ich, da ich mich informiert habe, dass es eine ‚Kann‘-Regel ist, einfach weitersetze), und ich werde dazu gezwungen, auch nach wörtlicher Rede, die mit Satzeichen endet, Kommata zu setzen – das habe ich noch nicht drauf und erledige es am Ende des Kapitels mit Suche-und-Ersetze. Wie lange wird es dauern, bis ich auch die NDR denke, lebe und atme? Keine Ahnung. Aber zumindest werden ab jetzt neue Kapitel in der Neuen Rechtschreibung gesetzt sein, zu unserer aller Wohl. Jawohl.

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