Varyn – eine Rand-Erscheinung?

Ich hab ihn ja herzlich gern, den Varyn. Er ist ein schmucker Bursche und kann als männliches Size-Zero-Model über den Laufsteg flanieren, aber er hat mehr zu bieten als nur ein gutes Aussehen und ein paar Pfund zu wenig auf den Rippen. Er ist ein ausgefeilter Charakter, auf den ich stolz bin, auch wenn er manchmal ein bisschen zu extrem geraten ist – muss er denn wirklich essgestört sein und an Wahnvorstellungen leiden und ein Alkoholproblem haben? Darüber lässt sich sicher streiten. Meine Sorge bei Varyn sind anderer Natur: Ich habe Angst, dass er einem anderen literarischen Charakter zu sehr ähneln könnte – und dieser andere Charakter stammt nicht von mir.

Ich würde mich daher sehr freuen, mal ein Feedback zu Dämmervogel und Falkenwinter zu bekommen von jemandem, der mit Robert Jordans Wheel of Time-Zyklus vertraut ist. Ja, ich weiß, ich reite dauernd auf Jordan rum, weil er gestorben ist, bevor er sein Epos abschließen konnte und so, aber der Hauptgrund ist, das dies der letzte große Fantasyzyklus ist, den ich gelesen habe, zumindest bis mir nach Buch Sieben die Bücher ausgingen und man jahrelang auf den nächsten Band warten musste. Seit ca. 1999/2000 habe ich also selbst nichts mehr davon gelesen, aber mein Freund hat sich bestimmt dreimal durch alle erschienenen Bände gearbeitet und ist auch auf dem aktuellen Stand – ja, das wurmt, wenn der eigene Freund lieber dreimal (!)… Weiterlesen

Geschüttelt, nicht gerührt

Es wird nicht einfacher, auch wenn man es aufschiebt. Die Umstrukturierung der Chroniken hat mich jetzt also eingeholt. Die ersten vier Bücher lasse ich erstmal so stehen, wie sie sind: Als vier Bücher, nicht als zwei. Aber das ändert nichts daran, dass Zornesbraut jetzt nicht mehr nur Alexanders Teil der Geschichte erzählt, sondern auch Varyns. Was Alexander angeht, so habe ich vier Kapitel und einen Prolog, aufgeteilt auf zwei Schauplätze. Als wäre das nicht schon verzwickt genug, muss ich jetzt so liebevoll, als würde ich einen Marmorkuchen anrühren, Varyns Geschichte druntermischen. Davon ist ein Kapitel fertig, ein zweites in Arbeit, und die sind nicht mit Eins, Zwei, Drei nummeriert, sondern mit A und B, damit ich in Ruhe überlegen kann, an welchen Stellen ich sie unterrühre.

Grundsätzlich habe ich zwei Möglichkeiten: Die erste ist, alle Kapitel, unabhängig von Handlungszweig und Schauplatz, in eine chronologische Reihenfolge zu bringen, auch wenn das bedeutet, dass sich Alexanders mit Varyns Geschichte, Indiradin mit Koristan mit Doubladir mit Elysir munter abwechselt und dem Leser die Ohren flattern, wenn er nicht genau aufpasst, wo und wer er gerade ist. Das klingt jetzt schlimmer als es ist, denn die Kapitel sind lang, so dass der Leser schon die Gelegenheit hat, sich auf die jeweils neue Situation einzustellen.… Weiterlesen

Dreizehntes Kapitel: Am Ende der Nacht

Und so geschah es im November 2010, dass mir so die Lust auf meine Engel verging, dass ich noch nicht einmal mehr das finale Kapitel von Falkenwinter, wiewohl gut gelungen und fertig, auf die Webseite hochladen mochte. Warum, das kann ich heute nicht mehr sagen, ob mir kein Titel eingefallen war oder ich mir keine passende Zusammenfassung aus den Fingern saugen konnte, aber es blieb liegen, und liegen, und liegen. Jetzt, wo die Arbeiten wieder vorangehen, habe ich also endlich das vierte Buch abgeschlossen, und ehe ich mich ganz auf die Arbeit an Zornesbraut stürze, muss ich doch zuerst mit den Altlasten abschließen.

Zugegeben, ich hatte keine Ahnung mehr, was in dem Kapitel passiert, also habe ich es heute noch einmal gelesen. Und ich muss sagen: Wow! Das ist mal echt ein krönender Abschluss! Ich lobe mich ja oft und gerne, aber da ich mich erinnerte, was für eine Qual es war, dieses Kapitel in weniger als einer Woche runterzuschreiben, war ich doch erstaunt, wie gut es doch geworden ist. Zu meinen Stärken gehört sicher, abgedrehte Rituale zu erfinden, weswegen die Chroniken der Elomaran in einer Welt spielen, die in ihren Ritualen regelrecht erstarrt ist. Zum Glück hat Varyn noch viele Länder zu erobern, und ich werde ihn dann noch ganz oft krönen dürfen und mir für jedes Land neue Rituale ausdenken können – in Doubladir wird natürlich Blut vergossen, es qualmt und blitzt, und ein paar wahrhaftige und weniger wahrhaftige Engel dürfen auftreten: Das ist ein Finale nach meinem Geschmack.… Weiterlesen

Das Ende einer Ära II

Manchmal ändern sich Dinge. Das kann gut sein oder schlecht, und man muss nicht alles mitmachen. Aber manchmal kommt es vor, dass man sich gegen Dinge stemmt, die nicht aufzuhalten sind. Dann kann man den Kopf in den Sand stecken und so tun, als wäre nichts passiert, und einfach so weitermachen wie bisher, während sich der Rest der Welt weiterdreht. Das habe ich getan, dreizehn Jahre lang – aber irgendwann kommt der Moment, da knicke auch ich ein. Ich will eine professionelle Schriftstellerin sein. Und gibt es etwas Unprofessionelleres als Rechtschreibfehler? Daher ist mein Entschluss gefallen. Der Widerstand war toll, aber Regeln sind Regeln: Und so wechsle jetzt auch ich zur Neuen Deutschen Rechtschreibung.

Das ist ein Schritt, der mir schwerfällt, und das hat nicht nur mit Trotz zu tun. Ja, ich bleibe dabei, ich mag die Neuschreibung nicht. Ich halte sie für inkonsequent – wenn sie den Stengel zum Stängel machen mit der Begründung, immer nach dem Wortstamm zu gehen, und der ist ‚Stange‘, warum schreiben sie die Eltern dann nicht ebenfalls mit Ä, wo es doch von ‚alt‘ kommt? Aber vor allem hat es lange gedauert, bis ich überhaupt die Alte Rechtschreibung drauf hatte. Ich habe als Kind viel zu schnell lesen gelernt und denn Sinn eines Wortes erfasst, bevor ich mir das Schriftbild einprägen konnte.… Weiterlesen

Und dann war Sense

Das letzte Jahr hat mir eine Tour de Force beschert. Es ging auf und ab für die Elomaran – erst das Interesse mehrerer größerer Verlage, dann die Absagen dazu. Dann das Interesse eines kleineren Verlags, das soweit ging, dass der Verleger meinen Agenten schon nach einem Vertragsentwurf gefragt hat, und damit endete, dass der Verlag auf Tauchstation ging und keinerlei Mails, Anfragen oder sonstiges mehr beantwortet hat. Wir haben nie mehr davon gehört.

Zur guter Letzt das Interesse eines sehr netten, aber auch wirklich sehr kleinen Verlags, der die Elomaran gern genommen hätte – aber ob ich jetzt größenwahnsinnig bin oder nicht, ich möchte für diese Geschichte etwas größeres, nicht nur für mein Ego, sondern auch aus finanziellen Gründen. In den Chroniken steckt die Arbeit von inzwischen elf Jahren, und wenn ich schon einen Weltbestseller landen müsste, um mit einem halbwegs erträglichen Stundenlohn da rauszukommen, möchte ich doch zumindest ein bichen davon haben. Ich habe kein Problem damit, ein einzelnes Buch in einem kleinen Verlag zu veröffentlichen, aber mich mit einen Mindestens-Fünfbänder auf Jahre an Kleinstverlage binden, das ist für mich ein zu großer Schritt. Ich will auf die Dauer vom Schreiben leben können. So war es an der Stelle dann ich, die den Rückzieher gemacht hat.… Weiterlesen

Weniger ist mehr

Mit keinem Entschluß meiner Autorenlaufbahn tue ich mich auch im Nachhinein noch so schwer wie mit meiner Entscheidung 2008, nach weniger als einer Woche aus dem Nanowrimo auszusteigen. Es hatte damals vor allem gesundheitliche Gründe, ich befürchtete, daß ich eine Psychose bekommen könnte, und doch, es schmeckt bis heute bitter. Geisterlied, eine Idee, auf die ich immer noch stolz bin, ist bis heute nicht geschrieben, und ich traue mich kaum heran, es doch endlich zu versuchen, so groß ist die Angst, die Geschichte zu ruinieren. Wäre ich heute in der gleichen Situation, ich würde mich anders entscheiden. Das Problem damals war nicht der Nano, es war die Arbeit, und die Psychose habe ich damals, wenn auch um zwei Monate nach hinten versetzt, doch noch bekommen. Und doch habe ich jetzt eine Entscheidung getroffen, die mir genauso schwer gefallen ist und genauso schlecht schmeckt.

Fünfhunderttausend Wörter, ein stolzes Ziel hatte ich mir für dieses Jahr gesetzt, und nachdem es im ersten Monat noch ganz gut ging, habe ich bald zu kämpfen angefangen – natürlich, ich bin ein Kampfschreiber, aber es soll Spaß machen und nicht zu einer ständigen Belastung werden. Ich bin mir immer noch sicher, daß ich in der Lage bin, eine halbe Million Wörter in einem Jahr zu schreiben – wenn ich mal Berufsautorin bin und meinen Lebensunterhalt damit verdiene.… Weiterlesen

Stockholm, wir kommen!

Also, ein paar Tage lang habe ich prokrastiniert. Als bekennende Kampfschreiberin bin ich sogar beim Prokrastinieren fleißig, nämlich indem ich ganz viel schreibe, nur nicht das, was ich sollte: Keine Elomaran, keine Fälscher, dafür habe ich mir ein Projekt von der Warteliste genommen und mich endlich – die Idee ist aus dem letzten August – an das erste Kapitel vom Haus der Puppen gesetzt. Bis – natürlich – ich auch da nicht mehr weiterkomme. Jetzt müßte ich nämlich das Haus beschreiben, und das kann ich noch nicht. Also, wer hätte das Gedacht: Plötzlich habe ich Plot für das Gefälschte Herz. Dank sei wieder mal den Tintenzirklern, die immer die richtigen Fragen stellen und so genug Handlung für die ersten ein, zwei Kapitel aus mir rausgekitzelt haben. Jetzt geht das Schreiben fast genauso flott voran wie zuletzt beim Siegel. Ich weiß zwar über den Großteil des Buches immer noch nichts. Dafür habe ich aber einen akuten Fall vom Stockholm-Syndrom.

Der erste, den es getroffen hat, war Kevron. Der Bursche ist paranoid, und er hat Grips im Kopf – er hat also zwei und zwei zusammengezählt und ist zu dem Schluß gekommen, daß, wenn er sich jetzt gegen Tymur stellt, der ihn vermutlich umbringen wird.… Weiterlesen