Entscheidungen, Entscheidungen

Der Urlaub schreitet voran, und langsam muß ich mir doch Gedanken machen über die Arbeit, die ich mir mit- und vorgenommen habe. Nicht nur, daß Falkenwinter zuende geschrieben werden will und entgegen anderslautiger Ankündigung doch noch ein Kapitel mehr bekommen wird als geplant. Nein, viel schlimmer: Die Neuplanung der Chroniken als Fünfteiler erfordern ein neues Exposée. Und damit ein Verlag damit auch wirklich planen kann und weiß, was auf ihn zukommt, muß dieses Exposée auch möglichst detailliert erzählen, wie die Geschichte weiter- und ausgeht, Band für Band. Erstmal kaufen Verlage nicht gern die Katze im Sack, und zum anderen, sollte ich wider Erwarten doch enden wie Robert Jordan, weiß mein Ghostwriter dann auch, was in den späteren Bänden drinstehen soll. Ich hätte ja schon eine Vorstellung, wer die dann schreiben soll, aber wir wollen den Teufel nicht an die Wand malen. Jetzt also erst mal ein Exposée.

Und da fangen sie an, meine Probleme. Das eine ist, ich plotte wirklich gerne. Es macht mir Spaß, und in den vergangenen zehn Jahren habe ich viele schöne Stunden verbracht mit der Frage, wie es denn mit meinen Elomaran weitergehen soll. Einen neuen Band habe ich mit einer vagen Planung begonnen, um nicht nur die Arbeit zu haben, das Schreiben, sondern auch das Vergnügen, das Plotten. Wenn ich jetzt aber haarklein alles durchplane, heißt das für die kommenden Jahre und Bände: Arbeiten, arbeiten, arbeiten. So habe ich mir vor einigen Jahren fast die Freude an meinem damaligen Opus Magnum, der Spinnwebstadt, genommen, weil ich plötzlich nur noch lange vorgeplante Szenen zu schreiben hatte und nichts mehr zum Ausdenken. Das will ich hier vermeiden.

Aber das ist ein Luxusproblem, verglichen mit dem, was mich eigentlich beschäftigen sollte: Ich habe ja schon eine ziemlich klare Vorstellung von dem, was in den späteren Bänden passieren soll, und ob das nun insgesamt fünf werden oder zehn, ist ja nur eine Formfrage. Aber manche Vorstellungen sind zu klar, und sie passen nicht zueinander. An manchen Stellen habe ich nicht einen Plot, sondern zwei – das stammt noch aus der Zeit, als der Plot eine klassische Sammelqueste vorsah, bei der Alexander und Varyn um die Wette Engelsattribute zusammentragen sollten, und die Nilomaran nicht die Gegenspieler waren, sondern ein Ammenmärchen. Mein schönes Finale, seit 2002 fast Wort für Wort geplant, paßt das noch zu dem, was die Geschichte inzwischen geworden ist?

Ich habe keine Wahl, ich muß die Szenen sortieren, manches behalten und mich von anderem verabschieden, weil es überholt ist. Was aus Alexander wird, weiß ich. Was aus Varyn, auch. Jurik hat eine Zukunft bis ins fünfte Buch, Halan ist jenseits des vierten irgendwie noch nicht verplant, und auch Gaven soll nach aktueller Planung am Leben bleiben, muß also auch irgendwie ein- oder ausgebaut werden. Am einfachsten ist es wohl, ich mache mir zumindest für jeden Hauptcharakter eine virtuelle Karteikarte, was aus ihm werden soll. Und die geplanten Plotelemente werde ich ebenfalls niederschreiben und in eine Reihenfolge bringen.

Aber mir graut davor. Den Plot en detail festzuhalten, das hat so etwas endgültiges, unumstößliches. Dann fühle ich mich verpflichtet, es auch genau so zu machen, auch wenn ich von meinen Autorenfreunden weiß, daß ein geplantes Exposée doch sehr von der späteren Umsetzung abweichen kann und auch Verlage und Lektoren das wissen, solange die ungefähre Hausnummer stimmt. Trotzdem, es engt mich ein und macht mir Angst. Auch, wie die Geschichte in fünf Bände passen soll, das klingt plötzlich so beengend. Und wie nenne ich überhaupt den fünften Band? Wie klingt Todesschwingen?
Fragen über Fragen. Und ich habe noch sieben Tage Zeit, um sie zu beantworten.

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