Menschen, Tiere, Rezensionen

Ich bin nicht nur im Tintenzirkel, sondern auch auf Facebook mit einer ganzen Reihe an Autoren vernetzt, und es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich mit Leserkommentaren und Rezensionen umgegangen wird. Da sind die einen, die sich nicht davon abhalten lassen, zu jeder neuen Fünf-Sterne-Rezi einen Link zu setzen mit dem Jubelkommentar »Wieder fünf Sterne fürDas Liebesleben der Stabheuschrecken! Danke!«. Bekommt der Autor nur alle drei Wochen eine Rezi, kann ich damit leben. Leider tendieren manche dazu, das täglich zu machen, ohne wirklich darüber nachzudenken, wie es ankommt. Will ich, als befreundete Autorin, über die persönliche Timeline meiner Autorenbekannten so viel Selbstbeweihräucherung lesen? Oder, wenn sie es über ihre Autorenseiten tun: Wie wirkt es auf den Leser, wenn der Autor es nötig hat, sich in jedem einzelnen positiven Kommentar zu wälzen, als handle es sich um eine Kaviarpackung in einem edlen Spa? Die erste, hundertste, tausendste Rezi darf gebührend gefeiert werden, keine Frage. Aber ich möchte nicht Jede. Einzelne. Rezension. ins Gesicht gedrückt bekommen. Bestenfalls interessiert es mich nicht. Schlechtestenfalls macht es mich unglücklich, weil ich keine zehn Fünfsternerezis am Tag bekomme. Weder das eine noch das andere ist von den Autoren beabsichtigt. Sie machen sich nur keine Gedanken um die Wirkung.… Weiterlesen

4theWords? 4dieKatz!

Auch 2014 habe ich, wie in jedem Jahr seit 2006, am Nanowrimo teilgenommen. Was einmal ein Geheimtipp war, ist längst ein Riesenapparat mit Hunderttausenden von Teilnehmern – in diesem Jahr waren es knapp über 175.000 – und, auch wenn die Teilnahme selbst weiterhin kostenlos ist, einer großen Geldmaschine im Hintergrund. Kosten für Personal, Technik, Infomaterial etc. gehen in die Millionen. Der Nano finanziert sich durch Spendengelder, und auch ich habe meine 25 Dollar gespendet, aber ein nicht zu verachtender Betrag kommt durch Sponsoren zustande, Großspender, die ein Minimum von 6.000 Dollar beisteuren, dafür auf der Nanowrimo-Seite prominent präsentiert werden und, indem sie über Winner Goodies und andere Lockvogelangebote Naniten als Kunden ködern können, ihr Geld schnell wieder drin haben. Bei 175.000 Teilnehmern ist das eine Lizenz zum Gelddrucken, und die Buchdienstleisterindustrie hat längst dsa große Potenzial einer Aktion erkannt, die jedes Jahr hunderttausend veröffentlichungswillige Autoren auf die Welt loslässt.

Dementsprechend betrachte ich die Sponsorenangebote längst mit Skepsis. Es ist schön, wenn meine eine gute Schreibsoftware wie Scrivener zum halben Preis bekommt, und auch schön, wenn Anbieter wie Createspace oder Lulu siegreichen Autoren gedruckte Exemplare ihres Buches schenken. Andere Angebote sind aber eher von der Sorte, die, was ihre Seriösität angeht, sich zumindest in einer Grauzone bewegen – kostenpflichtige Lektorate und Zuschussverlage, die Naniten ein angeblich besonders günstiges Publishingpaket anbieten, haben hier mit den Naniten ein sicheres Einkommen.… Weiterlesen

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Plot

Im Sommer 2010, noch bevor es dieses Blog gab, begann ich mit der Arbeit am Gefälschten Siegel, damals noch als Einteiler geplant. Ich war verliebt in das Buch und meine Figuren – kein Wunder, hatte ich doch sämtliche männliche Hauptrollen mit Mitgliedern der von mir verehrten bosnischen Band Regina besetzt, hörte deren CDs beim Schreiben rauf und runter und hatte insgesamt mehr das Gefühl, eine Fanfiction zu schreiben, als einen internationalen Bestseller. Aber auch auf meinen Plot war ich stolz, raffiniert, vielschichtig, immer für eine Überraschung gut. Nach einer plotmäßigen Durststrecke und der Erkenntnis, dass ich mit einem Einteiler nicht hinkomme, wurde der erste Band der nun zur Trilogie umgelobten Reihe 2011 fertig, und ich stürzte mich, ohne Plot, aber mit Elan und Liebe, auf den zweiten Band, Das gefälschte Herz – und scheiterte. Nach neun Kapiteln und rund 300 Seiten brach mir der Roman unter den Füßen weg und wurde auf Eis gelegt, und ich wusste noch nicht einmal, wie ich die beiden angefangenen Kapitel zu Ende schreiben sollte.

Die Fälscher waren nicht das erste Buch, das diesen planlosen Tod starb, wohl aber das erste, seitdem ich mich als Profi bezeichnete. Plotten, sollte man meinen, konnte ich. Selbst Die Gauklerinsel ist fertiggeworden, und das war ein Buch, bei dem ich lange Zeit noch nicht mal wusste, wo es hinwill.… Weiterlesen

Sechs Jahre, ein Buch

Nach über sechs Jahren neigt sich nun endlich Geisterlied dem Ende zu, und bin ich sonst weh- bis schwermütig, wenn ich von einem Buch Abschied nehmen muss, bin ich hier erleichtert und froh und freue mich, es hinter mir zu haben. Sechs Jahre sind eine lange Zeit, vor allem für ein gar nicht mal besonders langes Buch. Aber es war einfach ein schwerer Brocken. Die Idee kam mir Anfang 2008, als ich noch im Münsterland wohnte, mit einem Traum. Ich ziehe oft Ideen aus Träumen, aber diesesmal hatte ich nahezu den kompletten Plot geträumt, so klar, dass ich nur mit dem Schreibblock hinterherrennen und ihn einfangen musste. Selbst die Namen meiner Hauptfiguren, Anata und Rizim, habe ich aus diesem Traum übernommen. Anata ist ein Wort aus dem Japanischen, wo es eine liebevolle Anrede, vergleichbar mit unserem »Schatz« ist, und Rizim? Ich habe keine Ahnung, so das herkommen soll. Es ist ein Name. Punkt. Ich freute mich über die schöne neue Idee und auf die Aussicht, das Buch im Nanowrimo zu schreinben – und damit ging der Ärger los.

Bis zum November war es zu lange hin. Der ohnehin schon ziemlich ausgefeilte Plot bekam noch mehr Zeit zum reifen, und das ist bei mir nie gut.… Weiterlesen

Arbeitstitel: Arbeitstitel

Wenn man als Autor ein Buch veöffentlicht, und dabei nicht als Selbstverleger in Erscheinung tritt, hat man oft wenig Einfluss darauf, unter welchem Titel das Buch am Ende erscheint. Manchmal hat man Glück und ein Mitspracherecht, oder der Verlag bentuzt gleich den Arbeitstitel des Autors, aber oft liegt diese Entscheidung bei Marketingfachleuten, die wissen (oder glauben zu wissen), was sich am besten verkauft und welche Titel den Leser dazu verleiten, ein Buch in die Hand zu nehmen. Trotzdem muss sich der Autor Gedanken machen, wie er sein Buch nennen will – selbst wenn ihn am Ende nie ein Leser zu Gesicht bekommt, will man doch die Aufmerksamkeit des Lektors wecken. Und auch, wenn man im Bekanntenkreis von seinem Werk erzählt, kann man mehr Neugier wecken und Aufmerksamkeit erregen, wenn man einen knackigen Titel zur Hand hat.

Mir sind meine Arbeitstitel sehr, sehr wichtig, und meistens stehen sie schon ganz am Anfang und bilden das Gerüst, um das herum ich die Handlung und Figuren aufbaue. Das kann dazu führen, dass ich einen Arbeitstitel habe, an dem ich sehr hänge, auch wenn sich die Handlung des Romans in eine Richtung entwickelt hat, die eigentlich gar nicht mehr so gut zum Titel passt, wie das bei der Gauklerinsel der Fall war.… Weiterlesen

Die Schakkeline hat fertig

Es ist bald zwei Jahre her, dass ich zuletzt das magische Wörtchen »Ende« unter ein Manuskript setzen konnte, aber dank meiner eisernen Disziplin und meinem Versprechen, diesen Sommer drei Bücher fertigzustellen, kann ich nun den ersten Erfolg vermelden. Schattenklingen: Die Steinerne Amsel, das erste Buch der Trilogie, ist in der letzten Nacht fertiggeworden. Die eigentliche Arbeit kommt noch: Nach meiner Erfahrung schreiben sich erste Teile immer schön leicht, die richtigen Probleme ergeben sich dann mit dem zweiten Band. Aber darüber will ich mir gerade keine Sorgen machen. Erst einmal will ich feiern. 603 Normseiten, entstanden zwischen 1. November 2012 und dem 21. Juli 2014, sind auch so schon ein Brocken, auf den man stolz sein kann. Sie sind mir ans Herz gewachsen, meine zeitreisenden Zombie-Elfen.

Das Buch ist in drei Etappen entstanden: Die ersten zweihundert Seiten im November 2012, als ich mich mit dem Nanowrimo so richtig in die Geschichre hineinstürzen und Seite um Seite einfach runterschreiben konnte. Die zweiten zweihundert Seiten waren viel, viel anstrengender und zogen sich über mehr als ein Jahr hin, während derer die Geschichte so vor sich hindümpelte und nur kleckerwiese vorankam. Die letzten zweihundert Seiten entstanden dann wieder in kurzer Zeit, im Juni und Juli dieses Jahres, als ich endlich wieder neuen Mut und Schwung zum Schreiben gefunden hatte.… Weiterlesen

Alles nur geklaut

Ich darf das gar nicht laut sagen, aber Schattenklingen, das im Tintenzirkel alle für seine Originalität loben, ist ein einziges Sammelsurium an geklauten Inhalten. Seit ich mit fünfzehn Jahren Marlowe, Lime & Co. aus allen Figuren, die der klassische Kriminalroman hergab, zusammengestoppelt habe, habe ich mich nicht mehr so großzügig an fertigen Charakteren bedient. Und ich kann zu meiner Verteidigung nur vorbringen, dass es immerhin alles meine eigenen Figuren sind bzw. schon waren, bevor sie in den Schattenklingen auftreten durften. Ich habe ja schon früher Figuren aus Rollenspielen für meine Romane ausgeborgt – so stammen sowohl Roashan als auch Shaun aus der Gauklerinsel ursprünglich aus einem Mailrollenspiel, und auch Byron und Jarvis aus dem seit einigen Jahren ruhenden Roman Klagende Flamme sind ganz am Anfang einmal ausgewürfelt worden, um ihre Abenteuer mit Dungeons & Dragons zu erleben. Aber noch nie, ich wiederhole: noch nie, habe ich mich derart schamlos beklaut.

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Kael, der Elfensklave, hatte hier im Blog schon eine kleine Erwähnung, als er noch mein Held im Computerspiel Dragon Age: Origins war, und durfte sogar in meiner ersten und einzigen Fanfiction mitwirken. Tatsächlich aber ist er noch viel, viel älter. Kael, mit seinen türkisen Augen und frostfarbenen Haaren, wird nicht von ungefähr so ausgesprochen wie Keil – und der, mit seinen türkisfarbenen Augen und frostfarbenen Haaren, war der Held meines allerersten abgeschlossenen Romans Eine Flöte aus Eis.… Weiterlesen

Blut, überall Blut!

Für was sind meine Bücher bekannt? Böse Zungen könnten jetzt zurückfragen: Wieso bekannt?, aber ich muss mich zunehmend mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ich eine Marke bin, dass ich ein Profil habe, und auch wenn das nicht heißt, dass ich meine Bücher nach Schema F zu schreiben habe, gibt es doch einfach ein paar Dinge, die für mich typisch sind und die ich ein bisschen kultivieren darf, wenn ich vorhabe, an Bekanntheit zu gewinnen. Da ist meine Sprache – meine liebenswert schrulligen Bandwurmsätze, meine Bildgewalt, meine abwegigen Gedankengänge. Die wird es, versprochen, in allen meinen Geschichten geben. Aber ich bin nicht nur meine Sprache, und meine psychologisch herausgeforderten Figuren – durch meine Bücher zieht sich auch immer eine gewisse Sanftheit. Auch in meinen Fantasygeschichten wird wenig gekämpft, viel geredet und noch mehr gedacht. Und dann gibt es die Schattenklingen. Ich habe kein Problem damit, auch mal hart, dreckig, körperbetonter zu sein. Aber vielleicht hätte ich das besser gleichmäßig über alle meine Bücher aufgeteilt, als alles in eine einzelne Geschichte zu stopfen. Ergebnis: Das Buch ist so blutrünstig, dass mir die Leser verlustigt gehen.

Erst erwischte es eine Betaleserin, der die Geschichte zu brutal wurde. Als nächstes beendete meine Mutter die Lektüre vorzeitig, ebenfalls aufgrund der exzessiven Gewalt.… Weiterlesen

Gib mich den Hattrick III

Es ist bis jetzt schreibmäßig nicht so gut gelaufen in diesem Jahr. Der Start war gut, ungefähr so lange, bis Mitte Februar das Haus in unser Leben getreten ist, und danach war es schwer, noch an andere Dinge zu denken, allem voran das Schreiben. Und schon rächt sich das: Es ist Juli, das halbe Jahr ist rum, und ich habe noch nicht einmal ein Viertel meines Jahresziels geschafft. Vor allem aber ist es bald zwei Jahre her, dass ich zuletzt einen Roman fertiggestellt habe, ich sitze auf nicht weniger als elf Baustellen, und es ist wirklich an der Zeit, endlich wieder das magische Wörtchen »Ende« zu schreiben. Also, warum nicht gleich dreimal? Über einen Mangel an Größenwahn habe ich mich noch nie beschweren können. Also, hier ist mein Ziel für den Monat Juli: Ich schreibe drei Romane fertig.

Es ist naheliegend. Ich muss einen Monat lang wirklich Wörter rausholzen, will ich noch eine Chance auf mein Jahresziel haben. Normalerweise würde ich auf den November setzen, im Nanowrimo habe ich schon wahre Großleistungen vollbracht, aber dieses Jahr sollte ich mich ausgerechnet darauf nicht verlassen. Wir kaufen unser Haus im Herbst – wenn alles glatt geht, Anfang September – und dann werde ich erst einmal mit Renovierung eingespannt sein und nicht die Zeit haben, acht Stunden am Tag zu schreiben.… Weiterlesen

Ein Traum von einem Haus

Ich liebe alte Häuser – solche, die von einer Aura des Geheimnisvollen umgeben sind und den Charme des Heruntergekommenen an sich haben, die eine Geschichte erzählen wollen oder darauf warten, dass man sie aus ihnen herauskitzelt. Sachen, die zu neu sind, passen nicht zu mir, das gilt für Schuhe und Hosen wie für Häuser. Alles muss ein bisschen abgewetzt sein, damit ich mich damit wohlfühle. Es ist kein Problem, eine Hose im Second-Hand-Laden zu bekommen, aber wenn man sich auf die Suche nach einem passenden Haus macht, ist es schon schwieriger. Aber als wir uns im vergangenen Jahr auf die Suche nach einem passenden Haus gemacht haben, hatten wir den größten Luxus, den man beim Hauskauf haben kann: Zeit. Wir wussten, was wir wollen und brauchen – ein eigenes Haus, am besten freistehend, damit ich mit meinen instabilen Nerven so wenig wie möglich von den Nachbarn hören muss, mit genug Platz, dass jeder von uns ein eigenes Arbeits- und ein Schlafzimmer haben kann, dazu noch ein Gästezimmer und ein kleines Gärtchen, nicht zu groß, nicht zu klein. Soweit die Pflicht. Und dann die Kür: Es soll etwas besonderes sein. Alt, aber nicht schäbig, geheimnisvoll, kurzum etwas, das zu einer Mysteryromanautorin passt.… Weiterlesen