Blut, überall Blut!

Für was sind meine Bücher bekannt? Böse Zungen könnten jetzt zurückfragen: Wieso bekannt?, aber ich muss mich zunehmend mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ich eine Marke bin, dass ich ein Profil habe, und auch wenn das nicht heißt, dass ich meine Bücher nach Schema F zu schreiben habe, gibt es doch einfach ein paar Dinge, die für mich typisch sind und die ich ein bisschen kultivieren darf, wenn ich vorhabe, an Bekanntheit zu gewinnen. Da ist meine Sprache – meine liebenswert schrulligen Bandwurmsätze, meine Bildgewalt, meine abwegigen Gedankengänge. Die wird es, versprochen, in allen meinen Geschichten geben. Aber ich bin nicht nur meine Sprache, und meine psychologisch herausgeforderten Figuren – durch meine Bücher zieht sich auch immer eine gewisse Sanftheit. Auch in meinen Fantasygeschichten wird wenig gekämpft, viel geredet und noch mehr gedacht. Und dann gibt es die Schattenklingen. Ich habe kein Problem damit, auch mal hart, dreckig, körperbetonter zu sein. Aber vielleicht hätte ich das besser gleichmäßig über alle meine Bücher aufgeteilt, als alles in eine einzelne Geschichte zu stopfen. Ergebnis: Das Buch ist so blutrünstig, dass mir die Leser verlustigt gehen.

Erst erwischte es eine Betaleserin, der die Geschichte zu brutal wurde. Als nächstes beendete meine Mutter die Lektüre vorzeitig, ebenfalls aufgrund der exzessiven Gewalt. Und dann musste ich mir auch noch von meinem eigenen Mann anhören, dass die Geschichte wirklich etwas zu blutrünstig ist. Schluck. Ich habe mir ja schon vieles vorwerfen lassen müssen, aber exzessive Blutrunst? Gut, das Buch beginnt mit einem kleinen Jungen, der barfuß durch das Blut seiner Mutter watet. Es wird gekämpft, aber vor allem wird gefoltert, gemordet, geblutet. Wenn das Buch jemals gedruckt wird, müssenm wir es mit einem Maxipad ausliefern, nur zur Sicherheit. Und alles nur, weil meine Elfen so aggressiv sind. Kael ist zornig, verroht, hat sein Leben lang eingesteckt, und wenn er austeilt, weiß er nicht, wann und wo er aufhören sollte. Eigentlich dachte ich, ich habe ihn jetzt endlich da, wo er zur Besinnnung kommt, mit Landras eine Einheit bildet und die beiden ein tolles Team bilden. Sie müssen ja nicht gleich miteinander im Bett landen.

Aber ich habe das Buch blutrünstig angefangen, nicht, weil ich es nicht anders gekonnt hätte, aber weil es passt. Und dann kann ich nicht mittendrin eine Hundetachtiggradwendung machen und friedlich die Vögel zwitschern lassen – damit verärgere ich dann auch diejenigen Leser, die bis dahin durchgehalten haben, weil sie es auch mal etwas härter mögen. Als gestern nacht Kael nichts besseres zu tun hatte, als auszutitschen und Landras ein Messer in den Arm zu stoßen, war das nicht geplant. Aber es hat so eine intensive Eigendynamik, so viel innere Spannung: Es war nicht geplant, aber es gefällt mir. Zu sehen, dass ich auch mal anders kann, dass ich keine Angst davor habe, auch mal in Blut zu waten, gefällt mir. Es ist ein – für meine Verhältnisse – extremes Buch mit extremen Figuren. Ich hatte solche Motive, im Ansatz, auch schon mit Alexander aus den Chroniken der Elomaran, der sich und andere verletzt, aber mit Kael habe ich nochmal eine Schüppe draufgelegt, er hat mehr erleiden müssen als jede andere Figur von mir, und er will mehr als jeder andere austeilen.

Schattenklingen ist kein typisches Buch für mich, und das bedeutet, wir werden es erst einmal keinem Verlag anbieten. Nicht, weil ich nicht denke, dass es ein großartig tolles Buch ist, das seine Leser finden wird, aber weil es nicht das Buch ist, mit dem ich mein Fantasy-Debüt machen sollte. Bis jetzt gibt es von mir mein sanft-poetisches Puppenzimmer und das nicht minder sanfte Geigenzauber, aber wenn dann mein erster High-Fantasy-Roman hart und blutrünstig ist, erweckt das leicht den Eindruck, dass meine High Fantasy immer so hart ist. Ich überrasche lieber später einmal meine Leser mit diesem buchgewordenen Blutbad, als mir jetzt die Chancen für meine sanftere Fantasy zu verbauen. Alles im Sinne der Marke. Das, und ich will die Trilogie erst einmal fertigschreiben. Und einen Verlag für die anderen Sachen finden. Und dann sehen wir weiter.

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