Krieg und Frieden

Mehrere Tage habe ich mit einer viralen Bronchitis darniedergelegen, jetzt komme langsam wieder auf die Beine – huste nicht mehr, aber das Fieber geht nicht richtig runter. Zum Glück kann ich mit dem Laptop im Bett liegen und zwischzendurch ein bißchen arbeiten, wenn ich nicht gerade schlafe – was leider zuletzt die größten Teile des Tages eingenommen hat, mit dem Ergebnis, daß ich dafür mitten in der Nacht plötzlich hellwach bin. Gut, wengistens laufen dann auch die olympischen Spiele, langweilen muß ich mich also nicht, aber eigentlich habe ich vor, am Montag wieder zur Arbeit zu gehen. Nur ohne Fieber, versteht sich, aber wenn ich Nachts wache und Tags schlafe, wird das so oder so schwierig.

Mit den richtig komplizierten Dingen kann ich mich aber auch beim Schreiben nicht beschäftigen. Richtig kompliziert, das ist Mendrions Krieg: Ich bin Pazifist und habe wenig Zeit in meinem Leben damit verbracht, die Geschichte des Kriegs zu studieren, und wie oft habe ich schon verflucht, daß ich mit Falkenwinter ein ganzes Buch über den Krieg schreibe! Mein Freund hilft mir – er hat zwar auch den Kriegsdienst verweigert, aber trotzdem kennt er sich mit den Dingen aus. Weite Teile des Buches hat er mit mir zusammen geplottet, aber im Moment muß ich mit jeder Szene, die ich schreiben will, erst zu ihm und mir genau erklären lassen, wie sie abzulaufen hat: Ich fühle mich ziemlich dämlich und unkreativ dabei, aber lieber ein glaubwürdiger Krieg als ein kreativer…

Nur fehlt mir gerade der Kopf dafür. Das Vierte Kapitel ist gut und gern halb fertig, aber ich kann so nicht daran arbeiten. Statt dessen schreibe ich… das Vierte Kapitel. Und zwar das von Zornesbraut. Ja, das sollte ich gerade eigentlich nicht schreiben – der Zeitplan sagt ganz klar, daß erst das Vierte Buch fertig werden muß, bevor ich mich wieder an das fünfte mache. Und ich hatte schon so gut aufgeholt, war doch Zornesbraut zum Jahresbeginn gut dreimal länger als Falkenwinter. Dann habe ich ordentlich mit Varyns Geschichte vorgelegt – und was jetzt? Heute haben beide Bücher genau 181 Seiten. Gut, Falkenwinter hat ein paar Wörter mehr, aber ich zähle hier Seiten, und danach tun sich die beiden nicht viel. Aber es ist immer noch besser, ich schreibe am Fünften Buch als an irgendwas anderem, was gar keinen Bezug zu den Elomaran hat.

So gibt es jetzt also statt Krieg das Friedlichste, was man sich überhaupt denken kann: Ein Wiedersehen mit Lyda, der Totenmagd. Meine verhinderte Heldin ist zurück, und diesmal wird sie wirklich eine wichtige Rolle spielen. Bis jetzt tut sie vor allem das, was sie am besten kann: Sie schweigt. Und damit kenne ich mich wahrlich besser aus als mit dem Krieg.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.