Engel vs. Vampire

Ich will ja eigentlich nichts über die Marktchancen der Elomaran schreiben. Das ist eine Sache, die ich nicht in der Hand habe – ich könnte wiederholen, was meine Agenten zu dem Thema sagen, aber das will ich nicht, abgesehen davon, daß ich keine Interna ausplaudern darf. Aus dem gleichen Grund schreibe ich auch nichts über die Verlagsreaktionen, die es bislang gab – sie haben mich erfreut, aber jetzt ins Detail zu gehen, bringt bestimmt Unglück. Wenn es etwas wirklich offiziell Positives zu berichten gibt, werde ich das erzählen, versprochen.

Auch über den Buchmarkt schreibe ich normalerweise nichts – ich arbeite nicht mehr als Buchhändlerin und bin nicht mehr gezwungen, mich mit Bestsellern auseinanderzusetzen, und mit dem Mainstream habe ich es noch nie gehabt, weder als Leserin noch als Autorin. Ich schreibe nicht, um Trends zu bedienen; ich schreibe, was ich will und wie ich es will, mein Herz steckt drin, und tatsächlich wundere ich mich oft über Leser, die sich in meinen Geschichten wiederfinden, weil ich aus schlechten Erfahrungen aus meiner Jugend immer denke, ich bin allein auf weiter Flur. Um so mehr habe ich mich seinerzeit über die Agenturanfrage gewundert, wähnte ich selbst die Geschichte doch eher unverkäuflich und an ein Nischenpublikum gerichtet. Aber in der Zwischenzeit hat sich ein neuer Trend angebahnt, und da man den inzwischen nicht mehr nur hinter den Kulissen erahnen kann, sondern auch im Alltag und Internet sieht und spürt, möchte ich an dieser Stelle darauf eingehen. Engel, so heißt es, werden den seit einigen Jahren andauernden Vampirtrend ablösen.

Auch um den Vampirtrend habe ich mich nicht geschert. Ich habe Twilight nicht gelesen und auch keinen der zahlreichen Abklatsche; die letzte Vampirserie, die ich mit Spannung verfolgt habe, waren die Abenteuer des kleinen Vampirs Rüdiger von Schlotterstein, und da ging ich noch zur Grundschule. Alles, was ich jetzt über Vampire sage, kommt also letztlich aus zweiter Hand, aber zumindest bin ich nicht traurig, daß dieser Trend jetzt abflauen soll. Vampire, die modernen, welche die Bestsellerlisten gestürmt haben, sind keine bösen Blutsauger mehr, sondern sensible, romantische Gutmenschen – oder heißt das schon Gutübermenschen? Das, was klassischerweise den Vampir ausmacht, fehlt ihnen völlih, sie haben sich vom Düsterwesen im Wortsinn zum Strahlemann gewandelt.

Und da kommen nun die Trendengel ins Spiel. Ich verfolge das mit einiger Aufmerksamkeit, bin ich schließlich als Autorin selbst betroffen. Ich sehe, welche Titel angekündigt werden, und auch im Tintenzirkel kommen immer mehr Autoren, die an Engelgeschichten arbeiten. Aber hier passiert jetzt etwas sehr Interessantes: Denn ebenso wie den Vampiren wird auch den Engeln ein Imagewandel verpaßt. Was ist der klassische Engel? Er ist ein Lichtwesen. Bote Gottes, Strahlemann, das personifizierte Gute. Richtig, der klassische Engel ist genau wie der moderne Vampir. Aber der Trendengel ist das genaue Gegenteil. Alle Geschichten, von denen ich bislang gehört haben, handeln von gefallenen Engeln. Düstere Gestalten, finster, gebrochen, Seelenjäger, zornig, fern von Gott…

Seht ihr das Muster? Man nehme eine traditionelle mythologische Figur, die ein klares Image hat, drehe dieses um hundertachtzig Grad, und fertig ist der Trend… Ob ich davon profitieren werde? Das weiß ich nicht. Meine Elomaran sind erfreulich weit von diesem neuen Klischee entfernt. Was ich bislang gehört habe, sind Urban-Fantasy-Geschichten, die in unserer Welt spielen, während ich klasssiche Fantasy in eigener Welt schreibe; die Engel entstammen der christlich-jüdischen Mythologie, während die Elomaran schon durch ihren Eigennamen klarmachen, daß sie von anderen Göttern eingesetzt worden sind; und ob ich den romantischen Trieb jugendlicher Mädchen beflügle, vermeine ich nicht zu sagen – und gefallen sind bei mir nur die Menschen, nicht die Engel.

Ob die Elomaran daher den Trend für 2012 setzen, kann ich nicht sagen, und ich weiß nicht mal, ob ich das will. Am Wichtigsten ist mir, daß die Welt weiß, daß ich schon lange vor dem sich anbahnenden Trend angefangen habe, eine Geschichte mit Engeln zu schreiben, lange bevor sich alle anderen Autoren auf das Thema stürzten. Eigentlich will ich nicht, daß irgend ein Verlag sich nur deswegen für die Geschichte interessiert, weil Engel vorkommen – ich will um meiner Selbst geliebt werden, und das gilt auch für mein Buch. Aber auf der anderen Seite, ehe sich am Ende niemand für die Geschichte interessiert, ehe ich zu spät komme und man mir unterstellt, ich würde dem Trend hinterherhecheln, nehme ich ihn lieber jetzt mit und mache das Beste draus.

Ich bin kein Trendhopper und will auch keiner sein. Ich bin gut auch ohne Trend. Und das ist wichtig, denn die Chroniken der Elomaran sind ein Monumentalwerk, das noch einige Jahre brauchen wird, auch mit dem gegenwärtigen Tempo, bis sie abgeschlossen sind. Der Trend wird sich wieder legen, ich gebe ihm ein, vielleicht zwei Jahre, Engel sind auch mit dem besten Marketing kein so starker Publikumsmagsnet wie Vampire. Die Elomaran müssen das alles überdauern. Und spätestens dann, wenn ich den Trend überlebt habe, können mir Buchmarkt und Bestseller wieder egal sein.

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