Wenn Schwiegermutter kommt

Ich stehe unmittelbar vor der Einführung einer neuen tragenden Figur in Falkenwinter. Immerhin habe ich in Dämmervogel so viele Personen umgebracht, daß ich da noch ein paar Lücken aufzufüllen habe – und da diese Geschichte tendenziell etwas männerlastig ist, ist es nur recht und billig, wenn die erste neue Figur eine Frau ist. Und was für eine! Es ist eine Premiere für mich: Meine erste Schwiegermutter… Also, genaugenommen ist sie noch gar keine Schwiegermutter, aber das Kapitel ist aus Hanas Perspektive, und bei der Frau handelt es sich um die Mutter von Gerrat, Leota und Dannen (sie ist natürlich auch Jaros Mutter, aber der ist bislang nur am Rand vorgekommen, und ich glaube kaum, daß ihn irgendein Leser bislang großartig wahrgenommen hat). Sie wird also in absehbarer Zeit Hanas Schwiegermutter, und für den Zweck dieses Blogs soll sie das jetzt schon sein. Hanas Schwiegermutter oder Dannens Mutter, das klingt ja schon wie zwei verschiedene Frauen.

Jetzt habe ich lange keine größeren Figuren mehr eingeführt, und die Frau soll wirklich einen Eindruck hinterlassen, eine starke Person. Mit dem richtigen Titel fängt es an: Sie ist die geschiedene Frau des Königs – sowas nenne ich im Volksmund »Ex-Königin«, aber das Wort Ex gibt es bei den Elomaran natürlich nicht. Ich wollte das schon im Tintenzirkel zur Debatte stellen, als ich doch selbst die rettende Idee hatte: Freifrau. Die Freifrau Elorna. Ein schönes Wortspiel, und ich bin mir sicher, daß sie sich das selbst so ausgedacht hat – geschiedene Ex-Königinnen sind hier nicht an der Tagesordnung, das sind sie ja noch nicht mal bei uns. In dem Moment, als sie zur Freifrau wurde, bekam sie Persönlichkeit.

Aber sie braucht auch ein Aussehen. Erst sollte sie so ein Schrank von einer Frau werden, hoch wie breit, aber dann bekam ich Visionen. Den dritten Tag habe ich eine Frau vor Augen, von der ich nicht mehr weiß, wo ich sie schon einmal gesehen habe: Nicht viel größer als einsfünfzig oder einsfünfundfünfzig, aber breit und rund, mit kurzen silbernen Haaren und strengem Gesicht. Sie trägt eine Art Burnus und ein dazu passendes Mützchen, und wenn sie so nicht direkt aus einem Film, einer Serie oder einem Anime geklaut habe, soll Elorna so aussehen dürfen – aber ich habe dann ein echtes Problem. Denn diese Beschreibung paßt noch auf eine andere Frau, von der ich genau weiß, daß ich sie nicht meine und das Bild, das ich vor Augen habe jemand anderen zeigt – aber trotzdem, hier geht es um Wörter, nicht um Bilder, und wenn nur meine eigene Beschreibung steht, werden bald alle Leute glauben zu wissen, wen die Freifrau Elorna darstellen soll: Von dem Mützchen mal abgesehen, paßt das wie die Faust aufs Auge auf eine andere zukünftige Schwiegermutter.

Nämlich meine eigene.

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