Wat kütt? Dat kütt! V

Seit bald zwölf Jahren führe ich ein Schreibblog, und irgendwann habe ich mir angewöhnt, das neue Jahr mit einem Ausblick auf meine Projekte zu beginnen, an denen ich zu schreiben gedenke. Das ist üblicherweise eine Aufzählung meiner Werke in Arbeit mit dem Vermerk, was davon mit welcher Priorität gefälligst endlich fertig werden soll. Bloß, irgendwie ziehen sich durch die letzten Jahre die immer gleichen Titel, ohne dass sie jemals fertig gewordnen wären. Ich bin eine Autorin mit vielen Eisen im Feuer und mit vielen neuen Ideen. Ich schreibe immer noch genug fertig, um eine Schublade voller durchaus gelungener Manuskripte zu haben und meine Agentin immer etwas von mir anzubieten hat. Aber ich schreibe gerne ohne den Zwang, dass ein Buch wirklich unbedingt bis dann-und-dann fertig zu sein hat. Meine Bücher müssen das Recht haben zu scheitern, das Recht zu ruhen.

Die Spiegel von Kettlewood Hall auf Basis von Exposée und Leseprobe zu verkaufen, hat mir vor Augen geführt, dass etwas, das für andere Autoren wunderbar klappt, nicht automatisch auch für mich existiert. Nicht die Deadline war das Problem, aber dass der Plot gezwungen war zu funktionieren, die Figuren gezwungen zu kooperieren. Ich konnte das Buch nicht einmal ein halbes Jahr oder drei beiseitelegen und etwas anderes schreiben. Kettlewood ist nicht nur fertig gewordnen, sondern auch toll, und es ist immer schön, wenn man als Autorin das über sein Buch sagen kann. Aber in Zukunft würde ich lieber auf andere Weise arbeiten: Ein Buch schreiben, auf das ich gerade Lust habe, und wenn es fertig wird und mir dann immer noch gefällt, es meiner Agentin schicken, damit sie es anbieten kann.

Das bedeutet zwar, wieder eine Menge für die Schublade zu arbeiten, was niemals der Licht der Welt erblickt, das vielleicht niemals fertig wird, aber im Idealfall kommt damit das Buch-Äquivalent zu Milch von glücklichen Kühen heraus. Und passend zu dem Thema ist Glück mein Vorsatz fürs neue Jahr. 2017 war schmerzhaft und leerreich. Ich habe mich an vielem aufgerieben – beim Lektorat von Kettlewood daran, dass ich wirklich viel lieber schreibe als überarbeite und mein Perfektionismus es furchtbar findet, einen Text für »definitiv unf endgültig fertig« zu erklären. Im Buchwesen an der mageren Bezahlung, die man als Autor bekommt und die bei vollen Arbeitstagen noch nicht einmal den Gegenwert eines Minijobs in die Kasse spült. Meine Depressionen standen mir voll im Weg, und ich musste doch vermeiden, zu offen darüber zu reden, damit Verlage mich nicht für unzuverlässig halten. Ich habe mir Hürden und Bürden auferlegt, wo keine waren, und das einzige, was mich mit diesem Jahr versöhnt, ist, dass ich am Ende mit den Korrekturfahnen eines Buches dastand, von dem ich wirklich jede Zeile lieben konnte.

Aber 2018 soll es anders werden. Gelassener. Glücklicher. Wenn ich mir meine Freude am Schreiben zurückerobern will, die letztes Jahr arg unter mir zu leiden hatte, dann muss ich mich auf das besinnen, was ich am Schreiben immer geliebt habe: Das Fabulieren, Fantasieren, Erfinden, Entdecken. Zu oft in den letzten Jahren hatte ich eine tolle Idee für ein Buch, das ich sehr gern geschrieben hätte, um dann zu beschließen, dass erst Buch X oder Y fertigwerden muss, auf das ich gerade aber gar keine Lust hatte, mit dem Ergebnis, dass ich weder das eine noch das andere geschrieben habe. Die Devise für 2018 lautet daher: Schreib, worauf du Bock hast. Ich weiß, dass ich in der Lage bin, zwischen sehr vielen Projekten nicht den Überblick zu verlieren und auch nach Monaten noch in einen Text reinzukommen. Das ist eine kostbare Gabe. In mir ist Platz für viele Welten. Und wenn ich Lust auf etwas bekomme, dann will ich es schreiben.

2017 hatte ich nur Lektorate und habe so gut wie nichts neues geschrieben. Auch 2018 stehen Lektorate an, und die dürfen nicht zu kurz kommen – das ist mein Beruf, dafür werde ich bezahlt, und es soll gut werden. Mein Plan ist also, eine professionelle Schriftstellerin zu sein, die als Hobby Romane schreibt, und beides zu lieben. Ja, das ist sehr viel Schriftstellerei. Aber ich hätte letztes Jahr nicht derart gelitten, wenn ich nicht eigentlich das Schreiben mehr lieben würde als alles andere. Außer Kaffee und Vollbädern, vielleicht. Wenn ich schreibe, macht es mich glücklich. Wenn ich nicht schreibe, macht es mich unglücklich. Die Antwort ist also: Mehr schreiben.

Meine Projektliste für 2018 enthält daher nichts, was unbedingt fertig werden muss, ganz viel, das fertig werden darf, wenn es mag, und Ideen, von denen ich noch kein Wort geschrieben habe in bunter Mischung. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Alibi für einen Geist
Genre: Kriminalgroteske
Alison Ellisson möchte ihren Namen gerne auf einem Buchcover lesen. Orion West bevorzugt es, wenn man ihn für verrückt hält. Und den Toten im verschlossenen Raum kann nur ein Geist auf dem Gewissen haben. Bloß, wenn der Geist ein Alibi hat, wer war es dann? Wenn ich in die Vergangenheit reisen will, komme ich um dieses Buch nicht herum: Ein Amalgam aus zwei Krimireihen meiner Jugend und einem Roman, der fast dreihundert Seiten lang wurde, ohne mir seinen Mörder zu verraten, um mehr als fünfundzwanzig Jahre nach seinem großen Scheitern endlich eine Krimiautorin aus mir zu machen. Und dass ich immer noch nicht weiß, wer es war oder wie, gedenke ich diesmal zu meinem Vorteil zu nutzen.

Das Schlüsselkind
Genre: Clockworkpunk
Die kindliche Göttin Keira lebt in einem gläsernen Palast ohne eine Menschenseele, so wie sie es am liebsten hat. Sie mag Dinge aus Glas und Dinge zum Aufziehen – was zerbricht, schillert nur um so schöner, und was tickt, kann man anhalten. Und da sie als Göttin nur eine Aufgabe hat, nämlich mit Weltenschlüssel das neue Jahr aufzuziehen, bleibt ihr viel Zeit, mit ihren gläsernen Pfauen zu spielen. Aber dann verschwindet der Weltenschlüssel, und Keira hat keine Wahl, als sich auf die Suche nach ihm zu machen – selbst wenn es bedeutet, den Glaspalast zu verlassen und unter die Menschen zu gehen. Ist ja nicht für lang …

Die Schmetterlingsspur
Genre: Mystery Thriller
Verschwundene Kinder. Schmetterlinge. Ein Haus am Grund eines Stausees. Eine junge Frau, die von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Ein Familienfluch. Ein dunkler Fremder. Ich bin überzeugt, da kann man was draus machen. Und über allem schwebt der Fall von Janice Pockett, einem realen kleinen Mädchen, das in den Siebzigern spurlos verschwunden ist. Es tut mir leid, ihren Fall für meine Geschichte auszuschlachten, solange es noch eine Familie gibt, die nach ihr sucht. Aber ich will dieser Geschichte trotzdem eine Chance geben. Wenn nochmal jemand ein romantisches Herrenhaus von mir haben will, wäre es schön, etwas in der Hinterhand zu haben.

Stadtkinder
Genre: Dystopie
Die Stadt, ein lebender, denkender, fühlender Organismus, hat den Verstand verloren. Oben ist es nicht mehr sicher, wenn sich Straßenzüge umbauen und ganze Viertel neu aus dem Boden wachsen. Nur die Stadtkinder, eine Gruppe Auserwählter, ist davor geschützt, in den Straßenschluchten auf Nimmerwiedersehen zu verschwinden, und versorgen den Rest der Bevölkerung, der im Untergrund lebt, mit dem Lebensnotwendigen, das sie in den unbewohnten Häusern finden. Aber mit der Ankunft des Flüchtlings Cadren geraten Dinge in Bewegung – Dinge, die nicht sein sollten und die alle in der Stadt in Gefahr bringen. Cadren und sein Freund Esh nehmen den Kampf gegen den Wahnsinn auf, um die Stadt zu heilen. Aber wissen sie überhaupt, wer sie selbst sind?

Tinte und Rauch
Genre: Historische Dark Fantasy
Krähe liebt Geist. Anders gesgt: Fee liebt Mensch. Und damit endet die Romantik auch schon bei dieser Geschichte, die durch Blut und Dreck watet. In einem Londoner Slum des späten neunzehnten Jahrhunderts betreiben verbannte Feen eine Opiumhöhle, um dort die Träume der Sterblichen zu ernten, während draußen jemand junge Menschen abschlachtet. Jemand träumt einen abscheulichen Traum, und Leroc, ehemaliger Hauptmann der königlichen Rabengarde, hat einen zu großen Bissen davon genommen, um ihm nicht auf den Grund gehen zu wollen …

Die Traumstadt
Genre: Noir Fantasy
In einer Stadt voller Alpträume kämpft ein verkrachter Magier gegen den Tod, höfische Intrigen, und um bessere Drogen. Ach ja, und Sex. Sex will er auch. Aber man muss es ihm nachsehen. Sein ganzes Leben, das Leben der ganzen Stadt, basiert nur auf Lügen, und das, was sie für die Wirklichkeit halten, ist nichts anderes als der eigentliche Alptraum. Dass dann die unschuldigen Kinder ihrer Träume beraubt werden, um diese an zahlungskräftige Kunden zu verkaufen, ist dann auch nicht mehr so schlimm. Und zwölf Tage wachbleiben schafft Sandro auch irgendwie.

Und wenn ich dabei Lust bekomme auf Percy oder Schakkeline oder eines der anderen Bücher, die noch unvollendet in meinem Projekt-Ordner schlummern: Dann schreibe ich auch an denen weiter. Aber die kennen wir hier im Blog alle schon aus den vergangenen Jahren, und ich möchte ihnen nichts versprechen, das ich 2018 nicht halten kann. Was kommt am Ende raus? Wir werden es sehen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.