Die Zeit im Nacken

Ich warte nicht erst seit drei Monaten auf einen Buchvertrag. Wünschen tue ich ihn mir schon lange, darauf hoffen tue ich spätestens seit ich meinen Agenturvertrag bekommen habe, Chancen drauf ausrechnen spätestens seit der Fertigstzellung von Geigenzauber, und so wirklich wirklich wirklich damit rechnen, seit Das Puppenzimmer an den Start gegangen ist. Ich weiß, man steckt nicht drin. Drängeln hilft nicht. Die Verlage treffen ihre eigenen Entscheidungen, wann und wie sie wollen. Aber meine ganze Lebensplanung ist jetzt darauf ausgerichtet, dass ich einen Vertrag für die Puppen bekomme und mich damit selbständig mache, als Autorin, so wie ich es mir schon als kleines Mädchen gewünscht habe. So, wie es Grey im letzten Jahr getan hat, mein großes Vorbild. Aber die Zeiten haben sich geändert – nicht, was den Buchmarkt betrifft, aber den Gründungszuschuss, mit dem die Arbeitsagentur denen hilft, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen. Nach der alten Regelung hätte ich bis Ende Juni Zeit, den Antrag zu stellen, und das Gründungsgeld war eine Muss-Leistung, die jedem, der den Antrag form- und fristgerecht gestellt hat, gewährt wurde.

Seit Dezember vergangenen Jahres gelten neue Regeln. Zum einen muss der Antrag jetzt nicht neunzig, sondern hundertfünfzig Tage vor Ende des Arbeitslosengeldanspruchs gestellt werden – das ist in meinem Fall Ende April. Zum anderen aber, und das bereitet mir wirklich Bauchschmerzen, ist es nur noch eine Kann-Leistung. Die Arbeitsagentur entscheidet von Fall zu Fall, ob und wie vielversprechend ein Konzept ist, was für mich bedeutet, dass ich nicht nur einen Buchvertrag haben muss als Beweis, dass ich mit der Schreiberei Geld verdienen kann, sondern auch noch einen möglichst dicken Vorschuss brauche, damit mir die Gelder bewilligt werden. Diese Deadline habe ich jetzt ständig im Hinterkopf. Theoretisch reicht es, wenn die Entscheidung nach der Leipziger Buchmesse fällt – aber natürlich wäre ich auf der sichereren Seite, wenn es so bald wie möglich passieren würde. Wenn ich den Zuschuss bekomme, ist es nicht so, dass ich verhungern muss oder anschaffen gehen oder sonstwie Not leiden, aber es geht doch um eine erkleckliche Summe Haben oder Nichthaben, die ich gerne zum Haushaltsgeld beisteuern würde. Ich will nicht nur vom Geld meines Freundes leben müssen. Also, liebe Verlage, wenn ihr das hier lest: Bitte entscheidet euch schnell! Und für mein Buch! Ich warte doch schon so lange…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.