Im Trailerpark

Gut und gern zehn Jahre muss es jetzt her sein, dass ich den ersten Trailer für den ersten Herr der Ringe-Film gesehen habe, und er hat mich niedergestreckt wie ein Eichenknüppel. Diese epischen Landschaften! Diese riesige Welt! Diese Bilderflut! Diese riesengroßen Füße! Nein, ich meine nicht die Hobbits – es waren die Argonath, die mich völlig fertiggemacht haben. Ich schrieb damals seit knapp zwei Jahren an meinen Chroniken der Elomaran, und ich musste erkennen, dass ich zu solcher Epik, wie Tolkien sie uns vorgelebt hat, nicht liefern kann. Und dass ich keinen Regisseur zu solchen Szenen inspirieren kann. Meine Geschichten spielen eher im kleinen, überschaubaren Bereich, Massenszenen kann ich nicht, an Schlachten verzweifle ich – eigentlich alles nicht so schlimm, ich habe andere Qualitäten, aber damals, im Winter 2001, hat es mich völlig fertiggemacht, in eine solche Krise gestürzt, dass ich im ganzen Jahr 2002 nur rund fünfzig Seiten geschrieben habe. Den Film habe ich mir dann trotzdem angesehen, voll trotziger Begeisterung, aber das Buch habe ich bis heute nicht gelesen. Der Film selbst war nicht so schlimm wie der Trailer, vielleicht, weil darin alle Epik auch noch so komprimiert war, dass sie mir en block um die Ohren hauen konnte.

Jetzt, zehn Jahre später, haben sie wieder einen Tolkien verfilmt, und wieder gab es den ersten Trailer zu sehen. Szenen aus dem Hobbit, untermalt mit dramatischer Musik. Ich habe ihn gesehen, mit Freude und Belustigung, und denke, diesen Film werde ich mir ansehen, und freue mich darauf, dass vielleicht dann die High Fantasy nochmal ein Revival erlebt, in dessen Kielwasser ich meine Fälscher-Trilogie auf den Markt bringen kann. Die Bilder waren nicht weniger episch als seinerzeit die zu den Gefährten. Aber es stört mich nicht mehr. In den letzten zehn Jahren habe ich gelernt, was ich kann und was nicht, und ich strebe nicht mehr nach monströser Epik. Ich siedle meine Geschichten lieber in einem einzelnen Haus an, als gleich ein ganzes Universum um sie herum spinnen zu müssen, ich erzähle von Menschen, deren einzelne Schicksale mich mehr berühren als die von tausend unterjochten Völkern, und das, was ich mache, mag ich. Im nun zur Neige gehenden Jahr 2011 habe ich fast 2.000 Seiten geschrieben, und dass ich immer noch an meinen Elomaran arbeite, verkommt immer mehr zu einer Fußnote in meinem Oeuvre, als dass es ihr Hauptbestandteil wäre. Tolkien ist Tolkien. Und ich bin ich. Anders wär nämlich schlecht.

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