Der November naht

Der Countdown zum Countdown läuft, noch eine knappe Woche bleiben für die Nano-Vorbereitungen, aber man kann nicht behaupten, daß ich jetzt ins überstürzte Rotieren käme. Anders als 2006: Da habe ich mich nämlich erst am 25. Oktober, also genau heute vor einem Jahr, überhaupt erst entschlossen, am Nano mitzumachen. Nicht, weil ich glaubte, das auch nur entfernt zu schaffen, sondern um in den Genuß der täglichen Cartoons von Debbie Ohi zu kommen, die ich vom Filken kenne und deren Autorencomic Will Write for Chocolate ich seit der Stunde Null lese. Aber ich habe es geschafft, auch ohne mir im Vorfeld ein Bein auszureißen, und jetzt hängt die Latte höher. Vielleicht zu hoch für mich. Darum habe ich Vorkehrungen getroffen.

Seit Beginn dieses Jahres weiß ich ja, was mich im November erwartet. Sorgsam habe ich vermieden, irgend einen Termin in diesen Monat zu legen. Habe Einladungen ausgeschlagen und den aktiven Dienst im Kirchenchor quittiert, um nicht wie im letzten Jahr drei kostbare Tage an das Verdi-Requiem zu verlieren (ich gebe zu, eigentlich waren es andere Gründe, aber das paßt so schön ins Konzept). Ich bin arbeitslos, schon das ganze Jahr über, schon das vergangene Jahr über, und natürlich würde ich gerne etwas finden, eine schöne Stelle als Bibliothekarin, aber, und dafür hoffte und betete ich seit August: Nicht ab November. Bitte nicht ab oder im November. Wenn man seit zwei Jahren arbeitslos ist, kommt es auf den einen Monat auch nicht mehr an. Und auch meinen Ein-Euro-Job, den ich seit März mit echter Begeisterung erfüllt habe, läuft zum 31. Oktober endgültig aus. Nicht nur, weil er dann nicht mehr verlängerbar ist, sondern auch, weil ich dann mit der Erfassung und Auswertung meines Friedhof fertig bin. Punktgenaue Arbeit, damit mich nichts vom Kampfschreiben abhält.

Seit Januar wußte ich, welches Buch ich in diesem Jahr schreiben würde, und freute mich der langen Vorbereitungszeit. Die Schattenwandler erfordern eine Menge an Recherche: Eine phantastische Geschichte für Jugendliche, angesiedelt in Oberschlesien während des Kalten Kriegs der Sechziger Jahre, und ich war weder jemals in Oberschlesien (nur meine Vorfahren, aber das zählt nicht) noch zur fraglichen Zeit schon geboren (wieder nur meine Vorfahren). Ich plante, ich recherchierte, ich fand in meiner Patentante eine Ort- und Zeitzeugin – und verwarf das Ganze.

Statt über ein Land zu schreiben, in dem ich noch nie war, wollte ich doch bei Altbewährtem bleiben. Lieber irgendwann mal nach Oberschlesien reisen und bis dahin die Schattenwandler im Kopf halten, und im 2007er Nanowrimo den vierten Band meiner Elomaran-Chroniken schreiben. Seit mehr als sieben Jahren arbeite ich jetzt daran, knapp drei Bände habe ich in der Zeit geschafft – das Tempo mal ein wenig anzuziehen kann dem Ganzen eigentlich nur gut tun. Also sollte es so sein: Falkenwinter, mein Nanobuch für 2007. Ich schwitzte schon bei der Vorstellung. Die Chroniken der Elomaran entstehen handschriftlich, bevor sie in den PC übertragen werden, und nur für einen Schreibmarathon mache ich da keine Ausnahme. Aber ohne maschinenlesbaren oder wenigstens -zählbaren Text keine Siegerurkunde. Und ich will die Siegerurkunde. Ich will nicht nur das Gefühl, irgendwie gewonnen zu haben: Ich will gewinnen, und ich will es schriftlich. Also ein Pensum von effektiv 100.000 Wörtern in einem Monat… O Graus.

In der letzten Septemberwoche, just bevor ich meine Elomaran-Leser mit der Freudenbotschaft beglücken wollte, habe ich mich dann spontan umentschieden. Ich habe ausgerechnet für Falkenwinter zu wenig konkrete Ideen. Zu wenig, um das Buch in einem Monat kontinuierlich zu schreiben – bedingt durch das Handschreiben in einen speziellen Collegeblock kann ich mir nicht hier und da die Szenen rauspicken, die mir schon eingefallen sind, sondern hangle mich von Seite Eins bis Seite Dreihundert. Zu groß das Risiko zu scheitern. Noch größer das Risiko, mein jahrelang mühsam gehegtes Epos in nur einem Monat zu zerschießen und zu ruinieren. Falkenwinter kann und werde ich immer noch in Ruhe im nächsten Jahr schreiben. 2008 hat mehr Monate zum Schreiben als nur den November. Und außerdem war mir gerade die Idee mit dem Gläsernen Schwert gekommen.

Ich schmiß also noch einmal alles über den Haufen. Fing am 1. Oktober noch mal bei Null an und plante ein neues Projekt von noch nie dagewesener Düsternis. Und so heißt es in diesem Nanowrimo für mich, oder besser von mir: Lichtland.

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