Über die Freuden des Scheiterns

Was für ein Kampf! Was für ein Endspurt! Als jeder andere Nanit des Tintenzirkels schon in seinem Bett lag und den Nanowrimo entweder gewonnen oder verloren hatte, saß ich noch auf meinem Sofa, den Laptop auf dem Schoß, Kochshows aus der Konserve auf dem Fernseher, und habe geschrieben, geschrieben, geschrieben bis kurz vor sechs in der Frühe, um es noch zu schaffen, um auch mit Geisterlied den Sieg einzufahren. Es war ein Kampf. Nicht mehr als 3.060 Wörter fehlten mir, sicher kein unüberwindbares Hindernis, aber da ich schon ein paar Tage davor an meine Grenzen gestoßen war, sollte sich jedes Wort als Krieg herausstellen. Mein Timing hätte schlechter nicht sein können: Nicht nur war es der 30. November und die letzte Chance, dreitausend Wörter für den Nanowrimo zu schreiben, nein, es ging auch noch um nicht mehr und nicht weniger als den dramatischen Höhepunkt des Buches, eine Szene, die ich schon seit drei Jahren vor Augen hatte und die sich als entsprechend schwer zu schreiben herausstellte.

Um Haaresbreite habe ich es dann geschafft, bevor ich in mein Bett kollabiert bin, lange nachdem Kamen und Elena ihre Plaketten eingefahren hatten. Nur weil ich von Anfang an in einer anderen Zeitzone geschrieben habe – dem Biorhythmus angepasst auf die Zeit von Quito, Peru – konnte ich um diese Uhrzeit noch arbeiten, und auf den allerletzten Drücker fertig zu werden, war erfrischend anstrengend. Es war eine Wohltat, festzustellen, dass ich zweimal fünfzigtausend Wörter nicht mal eben so aus dem Ärmel schüttelte, dass es eine ungewohnte Herausforderung an Körper und Geist ist, sieben Tage in der Woche sieben Stunden am Tag dem Schreiben zu widmen. Ich bin erleichtert, dass es mir so schwer gefallen ist. Das heißt, ich muss nicht nächstes Jahr drei Nanos schreiben, um meinen Fix zu kriegen. Jetzt habe ich zwei Siege, kann wirkich stolz auf mich sein, und fühle mich genauso am Limit wie nach meinem allerersten Nano vor fünf Jahren, und oh, ist das ein gutes Gefühl! Was nächstes Jahr kommt, wird sich zeigen, aber daran denke ich erst einmal nicht – lieber konzentriere ich mich darauf, zwei tolle Bücher fertigzuschreiben, und freue mich an dem, was ich habe.

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